Berlin : Der Kampf gegen das Kleinkarierte

WM-Eröffnung in Berlin: Kulturchef André Heller will internationale Show mit möglichst wenig Folklore

André Görke

Das Papier in der Mappe mit dem Bundesadler war unterzeichnet, da legte André Heller los. „Einen kleinkarierten Streit“ nannte der Kulturchef der WM 2006 die Auseinandersetzung zwischen München und Berlin um die Eröffnungsfeier. Das sei nun „hoffentlich beendet“. Dann redete sich der Österreicher in Rage: „Ja bittschön, Berlin ist nun mal die Hauptstadt.“ Würde die WM in seinem Heimatland ausgetragen, „käme niemand auf die Idee, dass die Eröffnungsfeier in Graz oder Salzburg stattfinden müsste“. Da haben sie auf dem Podium ein wenig gelächelt. Innenminister Otto Schily zum Beispiel oder Sepp Blatter, Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa. Die beiden hatten sich in Berlin auf das „Memorandum of Understanding“ geeinigt. Darin ist nun endgültig geregelt, dass die Eröffnungsfeier am 8. Juni 2006, also einen Tag vor dem ersten WM-Spiel in München, im Olympiastadion stattfinden und von der Fifa organisiert und finanziert wird. Bislang war dafür der Bund zuständig – und bleibe es in Sachen Sicherheit auch, sagte Schily.

Die Kosten der Feier belaufen sich auf 22 bis 25 Millionen Euro. Der Bund wollte diesen Betrag aus dem Verkauf der WM-Münzen aufbringen; jetzt werde das Münz-Geld anderweitig verwendet, jedoch mit „einer Beziehung zum Fußball“, sagte Schily. Die Show in Berlin wird 90 Minuten dauern, es werden bis zu 12000 Menschen mitarbeiten.

Die Union hatte bisher kritisiert, dass die Kosten von der öffentlichen Hand aufgebracht werden sollten. Das sei indirekt Werbung für die Bundesregierung kurz vor der anschließenden Bundestagswahl. Klaus Riegert, sportpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sagte nach der gestrigen Einigung dem Tagesspiegel: „Jetzt ist das Thema vom Tisch, damit können wir leben.“ Kritik äußerte er dennoch: „Ich will keine Trachtenshow in Berlin, aber es kann nicht sein, dass nur internationale Stars auftreten. Das ist die WM in Deutschland und nicht nur eine Feier der Fifa.“ Winfried Hermann, sportpolitischer Sprecher der Grünen, wies den Vorwurf als „deutschtümelnd und lächerlich“ zurück. „Wir müssen das ganze Multikulturelle des Landes zeigen.“ Ähnlich äußerte sich Heller, der verriet, dass Deutschland mit seinen zwölf WM-Städten „ein Schwerpunkt der Show“ sein werde. Für die Eröffnungsfeier stehen in seinem Team bislang Ric Berch, der bei der Olympia-Eröffnungsfeier in Sydney Regie führte, und Mark Fischer, der Bühnenbilder unter anderem für die Rolling Stones und U2 entwarf. Heller will keine „stundenlange Folklore über Deutschland“ zeigen. Zumal die Fans eh Fußball sehen wollten. Nach dem WM-Finale wird es im Olympiastadion nur eine kleine Abschlussfeier geben.

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