Berlin : Der Kampf um die Zuschauer

Schüler vom Gymnasium am Elsengrund gewinnen Wettbewerb

Merlind Theile

Börsenkurse, Firmenfusionen, Lehrstellenmangel – Wirtschaft bestimmt zwar den Alltag, aber nicht den Stundenplan. „In der Schule haben Jugendliche kaum Gelegenheit, sich aktiv mit Wirtschaftsthemen zu befassen“, kritisiert Stephan Tietz. Deshalb hatte der Erdkundelehrer vom Berliner Gymnasium am Elsengrund mit sechs Schülerinnen und Schülern aus seinem Leistungskurs dieses Jahr schon zum zweiten Mal am Wettbewerb „Jugend-Schule-Wirtschaft“ teilgenommen.

Das Projekt, dass die „Deutsche Bank Stiftung Alfred Herrhausen“ mit dem Aachener IZOP-Institut vor fünf Jahren auflegte und an dem der Tagesspiegel teilnimmt, soll Schülern der Oberstufe „Lust auf Wirtschaft“ machen: Neun Monate lang recherchieren sie in lokalen und regionalen Unternehmen, schreiben begleitend Artikel für den Tagesspiegel und verfassen am Schluss eine Facharbeit zu einem selbst gewählten Wirtschaftsthema. 2000 Schüler aus Deutschland, Polen, Tschechien und Ungarn hatten sich dieses Jahr am Projekt beteiligt. Die besten Arbeiten wurden am Dienstag im Atrium der Deutschen Bank Unter den Linden präsentiert und prämiert: Den mit 5000 Euro dotierten ersten Preis gewann das Team von Stephan Tietz, das Geld erhält die Schule.

„Kampf um die Zuschauergunst“ – mit diesem Thema hatten Steffen Brandt, Karoline Korte, Steffi Rievers, Romina Rochow, Julia Springmann und Lina Wierner die Jury überzeugt. Die angehenden Abiturienten verglichen zwei Kinos aus Marzahn-Hellersdorf, ein Multiplexhaus und ein Programmkino. Anschließend konzipierten sie ihr eigenes Lichtspielhaus, das große Blockbuster genauso zeigt wie kleine Independent-Filme und zudem viel Gastronomie anbietet. „Unsere Recherche hat gezeigt, dass Kinos nicht durch die Eintritte, sondern durch Snacks und Getränke Gewinne machen“, sagt Lina Wierner. Eigentlich könnte das Siegerteam sein Kino sofort bauen – das Konzept steht, der komplette Geschäftsplan mit allen Kalkulationen liegt vor. Kostenpunkt: knapp 1,6 Millionen Euro. „Manchmal hatten wir wirklich das Gefühl, wir würden nächste Woche eröffnen“, erzählt Julia Springmann, „so realistisch war alles!“ Praxisnah ist das Projekt allemal, doch „Lust auf Wirtschaft“ hat das Team dadurch eher nicht bekommen: Lina schwebt ein sozialer Beruf vor, Julia „etwas Kreatives“, und Steffi möchte Schauspielerin werden.

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