Berlin : Der Krieg und die Drogenkurierin

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

In den türkischen Zeitungen dominierten Bilder vom Krieg im Nachbarland Irak, gepaart mit Nachrichten aus dem Inland. Denn Anfang letzter Woche wurden versehentlich zwei amerikanische Marschflugkörper vom Typ Tomahawk abgefeuert, die in einem nicht besiedelten Gebiet der Provinz Sanliurfa landeten. Zum Glück explodierten die Raketen nicht. Aber nun leben die Menschen mit der Angst vor weiteren irregeleiteten amerikanischen Raketen. Am Dienstag erschien diese Nachricht auf allen Titelseiten türkischer Zeitungen. Genauso kam der erneute Absturz einer Rakete am Donnerstag im Südosten der Türkei auf die Titelseiten (wir berichteten).

Wer türkische und deutsche Medien gleichzeitig nutzt, wechselt immer mal wieder die Nachrichten-Seiten, vor allem beim Thema Kurden. „Was wir befürchtet haben, ist eingetreten“, stand Freitag auf der Titelseite der Tageszeitung Milliyet. In der Unterzeile erklärte das Blatt, wovor die Türken sich fürchten: „Amerika transportiert ganze Flugzeuge voll Waffen, um sie an die kurdischen Gruppen in Nord-Irak zu verteilen, und die Türkei schaut hilflos zu“, schrieb die Zeitung zu der militärischen Zusammenarbeit der Amerikaner mit den Kurden im Norden Iraks. Hinter dieser Schlagzeile steckt die in Europa unverstandene Angst der Türken vor einem unabhängigen Kurdistan.

Aber so weit brauchen wir gar nicht zu schauen, um zu sehen, wie unterschiedlich die türkische und die deutsche Sicht auf die Ereignisse sein kann. „Andrea ist frei“, hieß es in der Tageszeitung Türkiye in einer kurzen Nachricht, nachdem die Drogenkurierin Andrea R. vorzeitig aus der Haft (auf Bewährung) entlassen wurde. Auch die Milliyet berichtete, aber besonders die Boulevardzeitung Hürriyet drückte die Emotionen der Türken aus: „Deutschland beschuldigt die Türkei, Gefangene viel zu früh aus der Haft zu entlassen. Gleichzeitig entlässt das Land die Drogenkurierin Andrea nach nur sieben Monaten aus dem Gefängnis“ beschwerte sich das Blatt. „Deshalb macht Deutschland bei der Überführung von Gefangenen in die Türkei immer wieder Schwierigkeiten“, schrieb die Zeitung. Andrea R. hat jetzt ein Buch über ihre Haft in der Türkei geschrieben, es erscheint im April.

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