Berlin : Der lange Marsch in Richtung Heimat

Binnen weniger Stunden verließen 100 000 Menschen die Stadt

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Am Schluss des Kirchentages stand für Zehntausende Teilnehmer noch ein längerer Marsch: Vom Reichstag zur Dorotheenstraße, Höhe HumboldtUniversität, und zurück zum Bereich Großer Stern, wo am Sonntag die Busse für die Heimreise warteten. Recht mühselig in der Sonnenhitze, denn beladen waren sie mit ihrem Gepäck. Sie hatten es alle vor Beginn des Abschlussgottesdienstes vor dem Reichstag in einem Parkhaus in der Dorotheenstraße abgegeben, das so vorübergehend zur „größten Gepäckaufbewahrung der Welt“ (Kirchentagssprecher Martin Wittschorek) wurde. Nach dem Gottesdienst – der minutenlang vom Lärm eines RTL-Hubschraubers gestört worden war, bevor ihn die Polizei zum Fortfliegen aufforderte – holten sie ihre Sachen wieder ab.

Rund 50 000 Menschen strömten zurück in den Tiergarten, wo in der Straße des 17. Juni und der Nachbarschaft die mehr als tausend Reisebusse bereit standen, die sie schon hierher gebracht hatten. Knapp 30 000 Leute machten sich zu ihren Sonderzügen auf, und weitere 38 000 hatten Fahrkarten für einen regulären Zug. Wie viele mit dem Privatauto gekommen waren, konnte Kirchentagssprecher Wittschorek nicht sagen; die Autobahnen aber wurden am Nachmittag voller, hieß es bei der Polizei.

Trotz der Menschenmengen verlief die Abfahrt der Bahnreisenden überwiegend planmäßig, erklärten Wittschorek und ein Bahnsprecher. Auch am S-Bahnhof Friedrichstraße, der wegen der Nähe zu dem Gepäck- Parkhaus besonders voll war, kam es zu keinen größeren Problemen. Jedoch verpassten manche Heimreisende ihren Sonderzug ab Schönefeld, da die S-Bahn dorthin nicht wie im Kirchentagsprogramm angegeben alle zehn, sondern nur alle zwanzig Minuten fuhr. Eine Reisende berichtete über die Reaktion der Bahn: „Wir konnten umstandslos den nächsten ICE nehmen – und waren damit sogar schneller daheim.“ Die übrigen Sonderzüge fuhren ab Lichtenberg, Wannsee und Potsdam.

Glatt verlief in der Nacht zu Sonntag auch die Abreise der Besucher des Pokalfinales: Vom Bahnhof Spandau fuhren Sonderzüge, 300 Charter-Busse starteten in der Heerstraße. Auch das befürchtete Chaos am U- Bahnhof Kaiserdamm blieb aus. Dort hätten die Fans aus dem Olympiastadion und die Kirchentagsbesucher vom Messegelände in der U 2 aufeinander treffen können, da die S- Bahn zwischen Zoo und Charlottenburg nicht fährt. Doch die Fans hielten sich an die Aufforderung des Stadionsprechers, noch ein wenig dort zu bleiben und zu feiern. „Es lief wie geplant“, hieß es bei der Polizei. Die Fans kamen erst am Kaiserdamm an, als die Kirchentagsbesucher schon weg waren. how/AG

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