Berlin : Der Mann für die Zukunft

Detlev Ganten ist seit Montag neuer Vorstandschef der Charité. Sein großes Ziel heißt: Alle Standorte unter einem Dach vereinen

Ingo Bach

Gegen den Charme von Europas größter Universitätsklinik hatte das brasilianische São Paulo offensichtlich keine Chance. Detlev Ganten wollte seinen ersten offiziellen Arbeitstag als neuer Vorstandschef der Charité am Montag nicht verpassen – und schwebte früher als erwartet von einem Medizinerkongress in Brasilien wieder in Berlin ein.

Dabei, sagt Ganten, sei das gar kein außergewöhnlicher Tag. Schließlich hat er schon am 1. Februar sein Amt inoffiziell angetreten, damit kein Leerlauf entsteht zwischen dem Ausscheiden der kommissarischen Vorstandsvorsitzenden Ingrid Nümann-Seidewinkel und seinem Beginn. Und er hat die paar Tage schon intensiv genutzt, um sich über die Zukunft der Charité Gedanken zu machen. „Es gibt bereits mehrere Expertenkonzepte für die Berliner Hochschulmedizin“, sagt Ganten. Dabei geht es vor allem um den Weg, wie man bis 2010 die vom Senat geforderten 98 Millionen Euro an staatlichen Zuschüsse sparen und gleichzeitig den enormen Investitionsbedarf an allen Standorten befriedigen kann. „Aber nicht alle Punkte der Gutachten sind eins zu eins umsetzbar.“ Der Charité-Chef ist zum Beispiel für eine größere räumliche Nähe der klinischen und der Forschungsbereiche. Das heißt, eine größere Umzugswelle zwischen den vier Standorten steht bevor. Weil die Kliniken medizinische Schwerpunkte bilden sollen, um Doppelangebote zu vermeiden, müssen sie in die Nähe der Forschungsinstitute mit gleichem Schwerpunkt ziehen.

Gantens großes Ziel ist die Vereinigung aller Bereiche unter dem Dach des traditionsreichen Namens Charité. Doch diese gemeinsame Identität muss nach den vergangenen Standortdebatten – die zum Teil auch gegeneinander geführt wurden – in der fusionierten Klinik erst noch entstehen. In der kommenden Woche will Ganten alle vier Campi genannten Standorte besuchen – die Charité in Mitte, das Virchow-Klinikum in Wedding, das Benjamin-Franklin-Klinikum in Steglitz und die Robert-Rössle-Klinik in Buch – und sich den Mitarbeitern vorstellen.

Ende Januar hat Ganten den Fünf-Jahres-Vertrag, der ihn zum Vorstandschef der Charité machte, unterschrieben. Warum tut sich der 63-Jährige die komplizierte Aufgabe noch an? Zunächst, sagt er, habe er sich quasi überrumpeln lassen. Auf die eher beiläufige Frage von Wissenschaftssenator Thomas Flierl, ob er sich für den Vorstandsposten der Charité interessiere, sagte er ja. Dann sei ihm die große Chance klar geworden, die sich ihm bot. „Ich habe mitgeholfen bei der Auswahl möglicher Kandidaten für dieses Amt und sie zu überzeugen versucht – und bei diesen Gesprächen habe ich mich schließlich selbst überzeugt“, sagt er lachend. Und fügt beherrscht an: „Wenn man etwas für die biomedizinische Forschung in Berlin tun will, dann kann man das am besten von der Charité aus, mit ihrer strategischen Bedeutung und ihrer internationalen Strahlkraft.“

Und auch wenn er betont, zunächst nicht für eine zweite Amtszeit angetreten zu sein, plant er schon über den Fünf-Jahres-Zeitraum hinaus. „2010 wird die Charité 300 Jahre alt. Das ist ein wichtiges Datum. Mein Ziel ist es, dass das Universitätsklinikum dann im alten Glanz erstrahlt.“

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