Berlin : Der Mettmannplatz wird zur Achterbahnstation

Unter Fernbahn-Brücken werden S-Bahn-Gleise verlegt Nun soll auch noch eine Grünanlage zerschnitten werden

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Von Klaus Kurpjuweit

Im dritten und vierten Stock die Fernbahn vor Augen, vor der Haustür braust ebenerdig die S-Bahn vorbei, und wenige Meter entfernt soll es auch noch eine neue Straße mit Busverkehr geben – der weitgehend unbekannte Mettmannplatz in Wedding dürfte bald eine Attraktion für Verkehrsinteressierte werden. Zur Zeit läuft das Genehmigungsverfahren für den Bau der S-Bahn-Linie 21, die den Nordring mit dem Lehrter Bahnhof verbinden soll. Sie fädelt von der Ringbahn aus und unterquert die Fernbahn in einem Tunnel, dessen Öffnung sich an der Tegeler Straße neben einem Wohnhaus befindet (im Foto links im Hintergrund).

Die S–Bahn soll anschließend die Tegeler Straße fast ebenerdig überqueren, weshalb diese unterbrochen werden muss. Hinter der Straße steigt die S-Bahn-Trasse wieder in die Höhe, durchfährt einen Pfeiler der neuen Fernbahnbrücke (Overfly) überquert den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal und überbrückt dann die Perleberger Straße, um auf der anderen Seite nach der Achterbahnfahrt wieder abzutauchen.

Weil die Tegeler Straße durch die S-Bahn dort zur Sackgasse wird, wo jetzt für viel Geld eine Unterführung der Ringbahn neu gebaut worden ist, will die Stadtentwicklungsverwaltung eine Ersatzstraße bauen – durch die kleine Grünanlage des Mettmannplatzes. Die Planer wollen den Straßenzug Nordufer, der jetzt unter der Ringbahntrasse vor der Grünanlage endet, bis zur Fennstraße verlängern. Die Verbindung sei für den Busverkehr erforderlich, argumentieren sie. Über die Tegeler Straße fährt bisher die – verspätungsanfällige – Linie 248.

Gegen den Straßenneubau hatte sich Mittes Stadträtin Dorothee Dubrau ausgesprochen. Unterstützt wurde sie von der SPD, die vorschlug, den Verkehr über das Friedrich-Krause-Ufer auf der anderen Seite des Kanals zu leiten. Für die Buslinie 248 wäre dies kein großer Umweg. Allerdings entfielen in dem Viertel zwischen Luxemburger und Fennstraße dann drei Haltestellen. Die Stadtentwicklungsverwaltung hat jetzt einen Kompromiss entwickelt. Danach soll das Nordufer am Pekinger Platz unterbrochen werden, wo eine neue Grünanlage entstehen soll. Dadurch werde der Durchgangsverkehr aus dem Wohngebiet ferngehalten, Anwohner müssten aber keine Umwege fahren. Auch der Bus könnte das Wohngebiet weiter bedienen. Der Mettmannplatz sei durch die riesigen Brücken der Bahn ohnehin verschattet und könne nie eine hohe Qualität erreichen, argumentiert Heribert Guggenthaler von der Stadtentwicklungsverwaltung. Der Wanderweg bleibe auch beim Ausbau des Nordufers erhalten. Derzeit ist er an der Fennbrücke unterbrochen, wo die Straße überquert werden muss. Guggenthaler will unter der Brücke einen Steg für Fußgänger bauen lassen. Noch hat das Wasser- und Schifffahrtsamt aber nicht zugestimmt. Es befürchtet, dass der Schiffsverkehr behindert würde. Der Steg wäre aber nicht breiter als die Böschung unter Wasser, so dass sich der nutzbare Querschnitt des Kanals nicht ändere, sagt Guggenthaler.

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