Berlin : Der mutmaßliche Bahn-Erpresser erlitt Zusammenbruch

kf

Der Platz des mutmaßlichen Bahn-Erpressers blieb beim Auftakt des neu aufgerollten Prozesses verwaist. Der 47-jährige Angeklagte Klaus-Peter S. hatte am Sonnabend einen Zusammenbruch erlitten und war in die Charité verlegt worden. Und weil die für Montagmittag vorgesehene Entlassung wegen weiterer Untersuchungen noch einmal verschoben wurde, trennte sich die Kammer, ohne die Anklageschrift verlesen zu haben.

Der Staatsanwalt wirft dem 47-Jährigen unter anderem versuchten heimtückischen Mord und versuchte Erpressung vor. Der Angeklagte soll Ende 1998 in der Uckermark, auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Hannover-Berlin sowie auf der Strecke Stralsund-Berlin Verschraubungen an Bahnschwellen gelöst haben. Der verschuldete Unternehmer habe damit von der Deutschen Bahn AG zehn Millionen Mark erpressen wollen. Der ICE mit 300 Fahrgästen war nur durch einen Zufall nicht entgleist. Als am 18. Dezember dann in der Nähe von Anklam ein Güterzug entgleiste, entstand Millionenschaden. Das Verfahren war beim ersten Anlauf am 7. Juni überraschend geplatzt. Klaus-Peter S. hatte entgegen den Erwartungen kein Geständnis abgelegt und die Kammer so in Terminschwierigkeiten gebracht. Sein Verteidiger zweifelte schon damals die Verhandlungsfähigkeit seines Mandanten an. Dieser hatte in der Untersuchungshaft einen Hirnschlag erlitten, den die Sachverständige jedoch als so "leicht" beschrieb, das er eine unbefristete Unterbrechung nicht rechtfertige.

Die Sachverständige blieb auch am Montag bei ihrem Urteil. "Mein Eindruck ist, dass Herr S. verhandlungsfähig ist", sagte sie im Landgericht. Tatsächlich waren auch die Mediziner bis zum Mittag zu keinem Befund gekommen. Also vertagte sich die Kammer auf den kommenden Montag. Ob sich der Angeklagte dann auf die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft einlassen wird, bleibt ungewiss. "Ich kann da noch nichts hundertprozentig zu sagen, aber es gab gute Ansätze in der letzten Woche", sagte sein Verteidiger.

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