Berlin : Der neue kleine König

Gustav Peter Wöhler springt am Schlossparktheater ein. In Erinnerung an Dirk Bach möchte er eine eigene Figur gestalten.

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Auf der Bühne. Schauspieler Gustav Peter Wöhler, der auch singt, übernimmt die Rolle des am 1. Oktober verstorbenen Dirk Bach. Foto: dpa
Auf der Bühne. Schauspieler Gustav Peter Wöhler, der auch singt, übernimmt die Rolle des am 1. Oktober verstorbenen Dirk Bach....Foto: picture alliance / dpa

Gustav Peter Wöhler ist der neue kleine König. Der aus Fernseh- und Kinofilmen bekannte Schauspieler und Sänger ersetzt den am 1. Oktober verstorbenen Dirk Bach am Steglitzer Schlossparktheater im Stück „Der kleine König Dezember“. „Sie alle wissen um die schwierige Situation des Schlossparktheaters nach dem tieftraurigen Ableben von Dirk Bach“, sagte Theaterchef Dieter Hallervorden am Mittwoch. Nun habe sich Wöhler von sich aus bereit erklärt, „zu Ehren von Dirk Bach dem Theater in der Not zur Seite zu stehen“. Bachs Tod war wegen des Vorstellungsausfalls auch ein finanzieller Rückschlag für die Bühne. Ursprünglich sollte die Inszenierung von Lorenz Christian Köhler am 6. Oktober Premiere feiern. „Die Entscheidung kam schnell und spontan; nicht nur aus Respekt für Dirk, sondern auch aus Solidarität mit dem Theater, das finanziell sehr verwundbar ist“, teilte Wöhler mit. Er verspricht eine Vorstellung „in Erinnerung an Dirk Bach“, möchte aber eine eigene Figur gestalten.

Die Ähnlichkeiten der beiden Schauspieler sind offensichtlich. Auch Wöhler hat Humor, misst mit 1,70 Meter nur zwei Zentimeter mehr als Dirk Bach und trägt einen Bauch vor sich her. „Sie haben in etwa die gleichen Maße, aber das war nicht die Voraussetzung, um die Rolle zu besetzen“, sagt Theatersprecher Harald Lachnit. Man habe schließlich kein Bach-Double gesucht. Den Zuschlag hätte nach seiner Aussage auch eine Frau bekommen können. Fast 100 Bewerbungen seien eingegangen. Die kurzfristige Suche gestaltete sich schwierig, schließlich muss der neue König mehrere Wochen hintereinander proben und spielen können. Erst am Dienstag informierte sich Wöhler im Theater über die Rolle und sagte dann zu. „Das ist für uns ein Glücksfall“, sagt der Theatersprecher. „Wir kennen ihn als Schauspieler und wissen um seine Qualität.“

Gustav Peter Wöhler ist 56, gebürtiger Bielefelder, seit einigen Jahren mit Albert Wiederspiel, dem Chef des Filmfests Hamburg, verheiratet und lebt mit ihm abwechselnd in Hamburg und Charlottenburg. In Berlin war er live zuletzt im Tipi am Kanzleramt mit seiner Gustav Peter Wöhler Band zu erleben. Da gastierte er mit seinem aktuellen Album „Boys don’t cry“. Wöhler, der zuletzt bei „Sams im Glück“ vor der Kamera stand und als Schauspieler mit Regisseuren wie Peter Zadek, Doris Dörrie, Fatik Akin, Werner Herzog oder Otto Waalkes gearbeitet hat, macht schon seit mehr als 15 Jahren Musik. Das aktuelle Album mit Coversongs von „Moonshadow“ bis „Always on my Mind“ ist bereits das sechste. „Gustav Peter Wöhler war mit Dirk Bach gut befreundet, die beiden schätzten sich sehr“, sagt Christoph Drescher, der Manager der Band.

Am Schlossparktheater in Steglitz hat Wöhler bereits vor zwei Jahren im Stück „Am goldenen See“ gespielt. Das Theater habe ganz bewusst jemanden aus dem Umfeld von Dirk Bach gesucht, der die Rolle im Andenken an den verstorbenen Komiker umsetzen könne, sagt Sprecher Lachnit. Im Stück selbst müssten nun nur Feinheiten geändert werden. Matthias Freihof spielt nach wie vor die andere Hauptrolle. Die Premiere ist allerdings auf den 28. Oktober verschoben, am 13. und 14. Oktober gibt es Ersatzvorstellungen mit anderen Stücken. Der verstorbene Moderator war bereits am Sonntag in Köln bestattet worden. Am Tag zuvor hatten seine wichtigsten Freunde in einer Trauerfeier Abschied genommen.

Die Gala „Künstler gegen Aids“ zugunsten der Berliner Aids-Hilfe, die Dirk Bach zusammen mit Maren Kroymann am 22. Oktober in Theater des Westens moderieren wollte, sucht nicht länger nach einem Ersatz für den Verstorbenen. Kroymann führe allein durch den Bach gewidmeten Abend „und den Stuhl von Dirk lassen wir frei“, sagt Sprecherin Anke Wolf.

Unterdessen hat der Berliner Bruno-Gmünder-Verlag, der Medien für Schwule produziert, die Aktion „Stoppt kreuz.net“ gestartet. Der Verlag will 15000 Euro für juristisch verwertbare Informationen über die Macher des Internetportals kreuz.net zahlen. Die Seite, in deren Impressum nur eine Adresse in den USA angegeben ist, hatte Dirk Bach wegen seiner Homosexualität beschimpft und wurde daraufhin wegen Volksverhetzung angezeigt.

„Der kleine König Dezember“, 28.–31. 10., 19.–23.11., 30.11.–4.12., 19.–22.12. jeweils 20 Uhr, Schlossparktheater, Schlossstraße 48, Steglitz. Tel: 78 95 667 100, www.schlossparktheater.de.

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