Berlin : Der neue Mann an ihrer Seite heisst Alard von Rohr

Jörg Königsdorf

Die neue Kultursenatorin hat den Kulturstaatssekretär gefundenJörg Königsdorf

Bei der Vergabe von Posten im Kulturbereich scheint in Berlin ein ungeschriebenes Gesetz zu gelten: Berufen wird nur jemand, der vorher nicht als Kandidat ins Gespräch gebracht worden ist. Christa Thoben, die neue Kultursenatorin, war vor kaum zwei Wochen selbst so eine Überraschungsnominierung, nun hat sie sich den wohl unauffälligsten unter Berlins Kulturmanagern als Staatssekretär für Kultur ausgesucht: Alard von Rohr, den Operndirektor der Deutschen Oper Berlin und zweiten Mann hinter dem scheidenden Intendanten Götz Friedrich.

Der 1945 in Stuttgart als Sohn eines Sängers geborene von Rohr studierte zunächst Jura in Tübingen, München, Genf und Freiburg, bevor er 1979 als stellvertretender Generalsekretär des deutschen Musikrates und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Musikpflege und Musikerziehung den Weg zum Kulturmanagement fand. Zusammen mit Götz Friedrich kam er 1981 an die Deutsche Oper, anfangs als Generalsekretär, seit August 1994 als Operndirektor und Stellvertreter des Intendanten in allen künstlerischen Angelegenheiten. In den vergangenen 18 Jahren hat der als zurückhaltend geltende von Rohr vor allem im Schatten Götz Friedrichs gewirkt: Als Jury-Mitglied bei Gesangswettbewerben, als Organisator der jährlichen AIDS-Gala und als Mitbegründer des Förderkreises der Deutschen Oper. Dabei konnte der besonders als Stimmenfachmann Geschätzte jedoch weder den künstlerischen Niedergang der Deutschen Oper in der Spätphase der Ära Friedrich noch das Defizit des Hauses seit Mitte der neunziger Jahre verhindern.

Gegenüber dem Tagesspiegel betonte der parteilose von Rohr, dass die Kultursenatorin von selbst auf ihn zugekommen sei und ihn gebeten habe, den Posten des Staatssekretärs für Kultur zu übernehmen. "Sie hat in der Stadt herumgefragt, und da bin ich ihr immer wieder empfohlen worden", erklärte er seine überraschende Berufung. Die Entscheidung für ihn, so von Rohr, sei außerdem keine Prioritätensetzung zu Gunsten der Oper: "Wenn man in dieser Stadt lebt, macht man natürlich nicht nur Oper, sondern bekommt auch das ganze Umfeld mit, schaut sich Kino-Filme an und geht in Ausstellungen." Für seine neue Stellung fühle er sich durchaus qualifiziert. "Würde ich mich dieser Aufgabe nicht gewachsen fühlen, würde ich sie nicht übernehmen", erklärte er. Außerdem könne man davon ausgehen, dass Frau Thoben "genau weiß, was sie tut". Gerüchte, dass seine Berufung auf eine Empfehlung des Ex-Staatssekretärs Lutz von Pufendorf zurückgehe, wies von Rohr entschieden zurück. Weder er noch Frau Thoben seien irgendwelchen Seilschaften verpflichtet, Ausschlag gebend sei allein sein berufliches und persönliches Profil gewesen.

Bedenken gegen die Berufung von Rohrs hat bereits Alice Ströver, die kulturpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, geäußert: Mit ihrer Entscheidung für den Direktor der Deutschen Oper bliebe Frau Thoben "bedauerlicherweise dem Westberliner Klüngel verhaftet", erklärte Ströver. Die Hoffnung, dass mit Frau Thoben ein neuer Geist sowohl in die Kulturszene als auch in die Kulturverwaltung wehen könnte, der die verkrusteten Strukturen aufbricht, werde, so Ströver, mit dieser Personalentscheidung nicht gerade beflügelt. Sie kündigte an, dass die Grünen von Rohrs Arbeit von Anfang an kritisch begleiten würden.

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