• Der Performance-Künstler Hans Peter Kuhn vereinigt 44 Hochhäuser zu einer Lichtinstallation

Berlin : Der Performance-Künstler Hans Peter Kuhn vereinigt 44 Hochhäuser zu einer Lichtinstallation

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Der Bezirk wird für vier Wochen zum Kunstobjekt: Unter dem Motto "Marzahn bei Licht besehen" gehen am heutigen Sonnabend um 20 Uhr auf 44 Hochhäusern die Lichter an. Der Performance- Künstler Hans Peter Kuhn setzt gemeinsam mit der Wohnungsbaugesellschaft Marzahn (WBG) und der Bewag den Bezirks ins rechte Licht. "Die Installation soll den Blick auf Marzahn schärfen", sagt 47-jährige Künstler. Er halte nichts von dem oft verbreiteten Negativimage der Plattenbausiedlung, weil das nicht der Wahrheit entspreche. "Marzahn ist in einem guten Zustand und sieht viel besser aus, als ich es erwartet hatte."

Als Kuhn vor drei Jahren von der WBG angesprochen wurde, anlässlich des 20. Marzahn-Jubiläums in diesem Jahr ein Kunstwerk zu gestalten, besuchte er zum ersten Mal die Neubausiedlung. Die 44 18- bis 25-geschossigen Hochhäuser, "die regelrecht aus der Landschaft herauspieken", wie Kuhn es formuliert, beeindruckten ihn derart, dass er sie zum Teil eines Kunstwerks machen wollte. Auf den Dächern der Gebäude wurden in den vergangenen Wochen 700 Scheinwerfer à 500 Watt installiert sowie acht Kilometer Kabel und neun Meter Lüsterklemmen verarbeitet. Die Leuchten sind mit verschiedenfarbigen Folien bestückt und strahlen direkt auf die herausragenden Motorenräume der Aufzüge. Und wenn in den nächsten vier Wochen von 17 bis 8 Uhr hoch oben die hellgrünen, roten, orangefarbenen oder blauen Lichter angehen, kommen bei dem einen oder anderen vielleicht schon weihnachtliche Gefühle auf. Bis zum 21. November wird aber nicht nur etwas fürs Auge geboten. Kuhn hat in seine Performance auch die Leitungskanäle und unterirdischen Gänge einbezogen. Im Zentrum Marzahns wurden unter die Sperrgitter einiger Schächte Lautsprecher montiert, von denen Geräusche nach außen dringen: eine ankommende S-Bahn, Kassen im Supermarkt, spielende Kinder aber auch das Dröhnen einer Schlagbohrmaschine sind zu hören.

Rund 300 000 Mark lassen sich die WBG und die Bewag das Licht- und Klangspektakel kosten. Damit möglichst viele die Kunst erleben, wurden auch in der Innenstadt Flyer verteilt. Darin sind unter anderem die Punkte eingezeichnet, von denen es sich am besten auf alle "Riesenleuchtkörper" blicken lässt: die Ahrensfelder Berge, die Allee der Kosmonauten und der Kienberg gehören dazu. Kuhn selbst bleibt allerdings am liebsten auf dem Boden. "Ich bin nicht Höhentauglich", gibt er zu. Die Installation der Scheinwerfer verfolgte er deshalb lieber von unten. Nach der leuchtenden Generalprobe erhielt die WBG übrigens durchweg positive Reaktionen. Deshalb wird voraussichtlich zur Jahrtausendwende die Lichtinstallation nochmals erstrahlen, kündigt Geschäftsführer Hartmut Meuter an.

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