Berlin : Der Pop kommt zur Love Parade

Die Musikmesse Popkomm soll Teil eines Berliner Musiksommers werden.Wirtschaftssenator nennt Subventionsvorwurf „Quatsch“

Werner van Bebber

Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) kann wohl verstehen, dass sich der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) über ihn ärgert. Doch als Trickser in der Konkurrenz um Unternehmen und Ereignisse will sich Wolf nicht darstellen lassen. „Alles Quatsch“, sagt der Wirtschaftssenator zu den Kölner Behauptungen, die Musikmesse Popkomm sei gewissermaßen von Berlin „eingekauft“ worden. Dass die Versammlung von Popmusikern, Managern und Verkäufern ab 2004 in Berlin stattfindet, sei auf eine ganz normale „Anwerbung“ der Messe Berlin zurückzuführen, sagt Wolf mit gelindem Understatement.

Tatsächlich ist der Umzug der Popkomm ein Erfolg, und zwar ein strategischer: Denn Wolf kann bescheiden darauf verweisen, dass die Popmusikbranche Berlin zu ihrer Hauptstadt gemacht hat. In deren Konzentration auf Berlin sieht Wolf den eigentlichen Grund für den Umzug der Popkomm: Die „Großen der Branche“ hätten die Musikmesse herholen wollen – und dem hat sich der Mann hinter der Popkomm, Viva-Chef Dieter Gorny, nicht verschließen wollen.

Die Organisatoren wissen allerdings auch, dass die Popkomm nicht bleiben kann, wie sie war. In Köln hatte die Messe in den vergangenen Jahren mit rasch schwindender Anziehungskraft zu kämpfen: Jährlich weniger Aussteller, mehr Krisengerede, wachsende Mühen, an die internationalen Größen des Gewerbes heranzukommen. Das hatte mit der Wirtschaftskrise zu tun, die die Popmusik genauso befallen hat wie fast alle Branchen. Dass aber die Popkomm-Macher trotz langer Bindung an Köln plötzlich umzugswillig wurden, dürfte einen schlichten Grund haben: Im Berliner Messekalender gibt es Möglichkeiten, die Popkomm in Beziehung zu anderen großen sommerlichen Musikereignissen zu setzen, zum Beispiel dem Karneval der Kulturen oder der Love Parade.

Das war offenbar in Köln nicht drin, auch wenn dort mit dem „Ringfest“ um die Popkomm herum ein musikalisches Großereignis organisiert worden ist: In diesem Jahr findet die Popkomm an drei Tagen mitten im August statt, das ist Ferienzeit für viele, die anderswo in Europa Musik machen. Für Wolf gehören deshalb zum Anwerbungserfolg die notwendigen Überlegungen, mit der Popkomm „aus der Sommerpause“ herauszu- kommen, und zwar eher in Richtung Love Parade als in Richtung Herbst.

Bei aller Freude über den Erfolg glaubt der Wirtschaftssenator nicht, dass nun Regierungschefs anderer Bundesländer und Oberbürgermeister anderer Städte den Berlinern jedes bisschen wirtschaftlicher Erholung und erst recht jede Sanierungshilfe missgönnen. Solange die Berliner Steuerkraft derart weit unter allen Durchschnittswerten der Länder liege, ist es Wolf zufolge auch im Interesse der anderen Länder, wenn Investoren an Berlin „abgegeben“ würden.

Allerdings fürchten sogar Berliner Bundestagsabgeordnete, dass sich eine neue Kühle gegenüber Berliner Problemen breit macht. Nicht wegen der Popkomm, sondern wegen der über 20 Millionen Euro für die Berliner Opern, die Kulturstaatsministerin Christina Weiss zugesagt hat. Schon höre man wieder Bemerkungen wie „alles für die Hauptstadt“.

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