• Der Promi-Auflauf zur BMW-Konzerneröffnung erstaunte die an Berliner Empfänge gewöhnten Gäste

Berlin : Der Promi-Auflauf zur BMW-Konzerneröffnung erstaunte die an Berliner Empfänge gewöhnten Gäste

Rdh

Wer einmal in Bonn im Umkreis der Politik gearbeitet hat, der sagte verblüfft: Nun ist es ja wie in Bonn! Wer Berliner Empfänge gewöhnt ist, der staunte nach klassischem Muster: Berlin, wie haste dir verändert! Denn nicht nur der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen sprach am Montagabend zur Eröffnung des Konzernbüros von BMW in Berlin, sondern auch Bundeskanzler Gerhard Schröder, und auch sonst drängten sich in der Etage mit der schönen Aussicht im Haus Pietsch Unter den Linden jene Gesichter, die alle kennen - aus den politischen Fernsehnachrichten. Früher waren sie die "Bonner". Nun sind sie die viel bemunkelten Neu-Berliner.

Anders als die BMW-Führung mit Vorstands-Vorsitzenden Joachim Milberg an der Spitze, dazu Eberhard von Kuenheim, der grosse alte Mann der Firma, und Horst Teltschik, waren sie nämlich nicht nur zu einer Berliner Stippvisite hier. Die Größen von BMW, das sich jetzt "BMW Group" nennt, waren zu diesem Anlass aus München eingeflogen und düsten am späten Abend wieder zurück. Die Politiker dagegen waren eben mal aus ihren Büros herübergekommen - Bundestagsvizepräsident Hermann Otto Solms, Friedrich Merz, der stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender, Cem Özdemir von den Grünen é tutti quanti. Alle, als ob sie hierher gehörten - und das tun sie ja nun auch. Michael Glos, der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, entschwand dann auch gleich geschäftig zu der rituellen Sitzung der CSU-Abgeordneten, die seit unvordenklichen Zeiten in den Sitzungswochen des Bundestages am Montagabend stattfindet.

Johannes Neukirchen, der Leiter des Büros, konnte also nicht nur viele Gäste, sondern vor allem auch Bekannte begrüssen - Abgeordnete, Minister, Staatssekretäre, Botschafter, Verbandsmenschen und Journalisten -, schliesslich ist er selbst ein altes Bonner Gewächs. Präsent war auch der politische Hintergrund: "Zu dem, was Sie erwarten, werde ich nichts sagen", sagte der Kanzler fröhlich und meinte das Koalitions-Gezerr um den Türken-Panzer, das zu diesem Zeitpunkt noch andauerte. Dafür verlautbarte er anderes: dass er ein Automann sei, und sich nicht auf ein anderes Gefährt setzen werde, dass er stolz darauf sei, dass sich die deutsche Automobil-Industrie aus dem Tief der frühen neuenziger Jahre wieder aufgerappelt habe und anderes, was Veranstalter und Gäste freute.

Unter den Neu-Berlinern gingen die Alt-Berliner nicht unter. Wen man immer schon sah, den sah man auch an diesem Abend: so zum Beispiel Klaus Landowsky, den CDU-Fraktionsvorsitzen, FU-Präsident Peter Gaethgens, Michael Stein von der Dresdner Bank, Jörg Schönbohm, wieder Minister, aber nun in Brandenburg - US-Botschafter John Kornblum kann man inzwischen gut und gerne dazuzählen. Und endlich gab es auch die Visionen, nach denen Berlin immer lechzt: in Gestalt einer Ausstellung von Karikaturen, die unter diesem Titel die Zukunft der Hauptstadt imaginieren, zusammengestellt vom Bonner Karikaturen-Guru Walther Keim. "Nicht vergessen: Berlin bleibt Berlin" hieß eine davon. Eine Drohung?

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