Berlin : Der Rabbi lud Freunde zu Dinner und Tanz

In der Jüdischen Gemeinde wurde das Fest der „Thora-Freude“ gefeiert

Elisabeth Binder

Auf den ersten Blick sieht dieses aus wie der Bericht über ein im Berlin dieser Tages ziemlich exotisches Fest. Rabbi Chaim Rozwaski hatte 370 Freunde in den großen Saal der Jüdischen Gemeinde eingeladen, um mit ihnen „Simchat Thora“ zu feiern, das Fest der Thora-Freude. An diesem Fest freut man sich besonders über die Gesetzgebung, die fünf Bücher Mose, deren Lesung beendet und gleichzeitig wieder begonnen wird.

Die Weisen bestimmten, dass dieser Anlass gefeiert werden solle. Dass der Rabbi selber einlädt, sei allerdings eher „American Style“ verriet ein erfahrenes Gemeindemitglied. Aber das ist ja auch in Ordnung, denn der Rabbi kam vor fünf Jahren aus New York, um eigentlich nur für ein Jahr zu bleiben. Seine Familie lebt immer noch in den USA. Eine recht laute, aber dafür auch recht gute Band spielte Pop-Songs, teils aus Israel mit schwungvoll vertonten Bibelzitaten, teils Klassiker aus den USA à la „I will survive“.

Erst tanzten die Männer im Kreis, dann die Frauen, dann alle zusammen. Aaron, der kürzlich seine Bar Mizwa gefeiert hat (entspricht in etwa der christlichen Konfirmation) und der seine Religion wunderbar so erklären kann, dass auch Anfänger es verstehen, tanzte ebenfalls. Und zwar so, dass man sich um die Herzen der Mädchen in seiner Nachbarschaft nur Sorgen machen kann. Das „Arche Noah“-Büfett bog sich unter Salaten und großen Schalen mit Fisch und Geflügel, dazu gab es israelischen Wein vom Berg Carmel und Wodka.

Die Reden waren kurz, aber sie hatten es in sich. Chaim Rozwaski, der einst seinen Vater und seine Mutter und seinen kleinen Bruder an die Schergen der Nazis und also den Tod verlor und der selbst nur wie durch ein Wunder überlebte, begann. Er sprach über die vielen Gründe, die es für ihn gebe, dankbar zu sein. Für sein Leben, für die Freunde, für die Möglichkeit, Rabbi zu sein: „Die Zeit ist reif, in der Öffentlichkeit Gott für alles zu danken, was er mir persönlich gegeben hat.“

Man denkt leicht, dass Dankbarkeit ein Detail aus dem Themenkomplex Höflichkeit sei. Diese Ansprache gab eine Ahnung davon, wie viel mehr sie sein kann. Weshalb dies nicht nur der Bericht über ein interessantes und für Berlin ziemlich exotisches Fest sein möchte, sondern auch ein Dankeschön dafür, dass es in dieser Stadt in dieser Weise gefeiert wurde.

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