Berlin : Der raue Ton der Heimat

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Gleich zwei ehemalige Regierende Bürgermeister eilten auf Jutta Limbach zu: Eberhard Diepgen und der jetzige Parlamentspräsident Walter Momper . Wiedersehen unter guten alten Bekannten, die Präsidentin des GoetheInstituts und vormalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts war Freitagabend Ehrengast beim traditionellen Jahresessen der Berliner Pressekonferenz. Unter Momper und Diepgen war sie seit 1989 Justizsenatorin im rot-grünen und schwarz-roten Senat, bis sie 1994 nach Karlsruhe ging. „So mancher von Ihnen hat einen Stern aufsteigen und fallen sehen“, meinte sie. Der ihre strahlt noch. Wem galt der Trost?

Gewesene und amtierende Senatoren, die Spitzen der Berliner Politik, Kultur und Wirtschaft waren wie alle Jahre um diese Zeit bei den Journalisten zu Gast. Nur Klaus Wowereit ließ ausnahmsweise eine Party aus. So war die Bürgermeisterin und Justizsenatorin Karin Schubert an der Seite ihrer großen Vorgängerin. Jutta Limbach vergaß am Ende ihres Festvortrages, der sich um die Arbeit des Goethe-Instituts als Instrument der auswärtigen Kulturpolitik drehte, ein Kompliment für die Presse nicht, eine sanfte pädagogische Nebenbemerkung eingeschlossen. „Ich ertrage lieber unsachliche Kritik als irgendeine Einschränkung der Pressefreiheit.“ Berlin habe sie „kritik-lernfähig“ gemacht; sie kennt den rauen Ton ihrer Heimatstadt.

Das festliche Dinner im Hotel Steigenberger würzte sie zusätzlich mit ihrer anregenden Rede. Falsch findet sie die Schließung von Goethe-Instituten im Ausland. Das will sie trotz des knappen Geldes ändern. Selbst Kabul bekommt wieder ein Goethe-Institut. Denn „Kultur gehört zu den elementaren Bedürfnissen des Menschen.“ Sie hat in ihrer erst kurzen Zeit als Präsidentin festgestellt, dass das Interesse an der deutschen Sprache, der Kunst und Gegenwartsliteratur bemerkenswert groß ist. Diese Kulturarbeit sei gerade in Ländern mit autoritären Regimen gefragt. Beispiel China: Dort liegen im Goethe-Institut in Peking unzensierte westliche Zeitungen aus. Und was die Sprache betrifft, hörte sie zum Beispiel in Südamerika: „Englisch ist ein Muss, Deutsch ist ein Plus.“ Gru

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