Berlin : Der russische Patient: Boris Jelzin liegt im Herzzentrum

Lars von Törne

Das Deutsche Herzzentrum kann seit Sonntag früh einen prominenten Patienten vorweisen: Der ehemalige russische Präsident Boris Jelzin ist nach Berlin gereist, um sich in Wedding von Roland Hetzer behandeln zu lassen. Hetzer gilt als international ausgewiesener Experte für Operationen am offenen Herzen.

Am Tag zuvor war Jelzin nach Informationen des Tagesspiegel aus Moskau nach Tegel geflogen worden. Eine Nacht verbrachte der schwerkranke 70-Jährige als Gast der russischen Botschaft Unter den Linden. Das berichtet ein Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung. Am Sonntag brachten seine ebenfalls aus Moskau angereisten Begleiter, die der Botschaftsmitarbeiter nur als "Jelzins Mannschaft" bezeichnet, den Ex-Präsidenten direkt in das Deutsche Herzzentrum im Rudolf-Virchow-Klinikum. Dessen Chef, Roland Hetzer, hat seit Jahren eng mit seinem US-Kollegen Michael E. DeBakey zusammengearbeitet - der wiederum Jelzins letzte Herzoperation vor fünf Jahren leitete.

Warum sich Jelzin jetzt überraschend in Hetzers Behandlung begab, ob er einen Herzinfarkt erlitt oder einen neuen Bypass benötigt - dazu wollte sich am Sonntag niemand ausführlicher äußern. "Wir haben auf Wunsch von Jelzin eine Auskunftssperre", sagte Chefarzt Hetzer dem Tagesspiegel. Der prominente Chirurg bestätigte lediglich, dass er den früheren Staatschef in seiner Klinik behandelt. Weitere Informationen wollte er erst zu Wochenbeginn bekannt geben.

Dass Jelzin sich eines Tages in Deutschland einer Herzoperation unterziehen wollte, war in den vergangenen Jahren immer wieder mal vermutet, aber umgehend aus dem Umfeld des Ex-Präsidenten dementiert worden. Auch ein akuter Notfall wie ein Infarkt wäre bei dem seit Jahren gesundheitlich angeschlagenen Jelzin keine allzu große Überraschung. Seitdem der heute 70-Jährige sich 1996 vom US-amerikanischen Kardiologie-Papst DeBakey fünf Bypässe legen lassen musste, litt "Russlands erster Präsident" immer wieder unter massiven Herzproblemen. Auch sonst machte er seit seinem Aussscheiden aus der Politik zu Silvester 2000 einen sehr angeschlagenen Eindruck. Seit Jahren hat er sich in sein Landhaus an Moskaus Stadtrand zurückgezogen, das er nur noch selten verlässt. Und wenn, dann immer häufiger für Klinikbesuche. Mehr als einmal stand das Leben des ewigen Patienten auf Messers Schneide. Auch seinen 70. Geburtstag im vergangenen Februar verbrachte Jelzin in einer Klinik - angeblich wegen einer ungefährlichen Virusinfektion.

Das Berliner Herzzentrum hat sich in den vergangenen 15 Jahren einen Ruf erworben, der die Klinik offenbar zunehmend auch für ausländische Patienten interessant macht. Zwar kommen nach wie vor rund 80 Prozent aller Patienten aus Berlin-Brandenburg. Die Zahl der internationalen Patienten ist allerdings in den vergangenen sechs Jahren von knapp 20 auf mehr als 90 angestiegen. Rund 7000 Patienten wurden in diesem Jahr bislang versorgt. Insgesamt hat das Herzzentrum die Zahl der Eingriffe von anfangs 2000 jährlich auf mehr als 5000 gesteigert.

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