Berlin : Der sanfte Provokateur

Gotthold Hasenhüttl hielt das erste gemeinsame Abendmahl – gegen Sanktionen würde er sich zur Wehr setzen

Volker Eckert

Gotthold Hasenhüttl erfüllte gleich mehrere Kriterien, als Priester das gemeinsame Abendmahl in der Gethsemanekirche zu verteilen. Als Hochschullehrer ist er finanziell unabhängig vom Bischof, außerdem hat er die Weltläufigkeit, vor so vielen Menschen eine Messe zu halten, wie sie am Donnerstagabend in das Gotteshaus in Prenzlauer Berg strömten. So kamen die Organisatoren vom Arbeitskreis Ökumene auf ihn. Was sie nicht sagen: Hasenhüttl schreckt nicht vor Provokationen zurück.

Das würde der 69-jährige Katholik Hasenhüttl, emeritierter Professor an der Saarbrücker Universität, freilich nie so ausdrücken. Er sagte sofort zu, als man ihn darum bat, im Rahmen des ersten Ökumenischen Kirchentages ein gemeinsames Abendmahl mit evangelischen Gläubigen zu feiern.

Das zu machen, was sich über 80 Prozent der Christen in Deutschland wünschen, kann in den Augen des Priesters keine Provokation sein. Aber einen Anstoß will er schon geben, dass die beiden Kirchen stärker aufeinander zugehen. Die Abgrenzung, die jetzt betrieben werde, sei das Gegenteil von dem, was Jesus unter Eucharistie verstanden habe, sagt Gotthold Hasenhüttl. Dass der von ihm geleitete Gottesdienst die Bischöfe erzürnt, weiß er trotzdem: „Die katholische Kirche hat oft Macht ausgeübt, anders denkende Menschen in die Zange genommen, bis hin zur Exkommunikation.“

Zur kirchlichen Hierarchie hat der gebürtige Österreicher einmal einen kritischen Aufsatz geschrieben. Dass Macht auszuüben gegen die Botschaft Jesu sei, stand da zum Beispiel drin. Anschließend wurde er zu seinem Bischof nach Trier zitiert. Der hatte das aber nur auf Weisung des Kölner Kardinals Meißner getan. Hasenhüttl über Meißner: „Ein extremer Reaktionärer.“ Auch in der Pädophilie-Debatte meldete sich Hasenhüttl zu Wort. Gegen die Missbrauchsfälle durch Priester gebe es nur ein Mittel: die Aufhebung des Zölibats.

Bis zum Gottesdienst in der Gethsemanekirche wurde Hasenhüttls Name geheim gehalten, um zu verhindern, dass die Kirchenoberen einschreiten. Jetzt muss der Geistliche möglicherweise mit Sanktionen rechnen (siehe Kasten). Zwar bezeichnet er seinen Bischof Reinhard Marx als „einen Hardliner“. Angst habe er aber keine, sagt Hasenhüttl.

Gegen Zwangsmaßnahmen würde sich Hasenhüttl aber wehren. Er habe nichts Unrechtes getan. Das gemeinsame Abendmahl hat nach seiner Auffassung nicht gegen Kirchenvorschriften verstoßen, auch nicht gegen die jüngste Papstenzyklika. Die verbiete nur die Interzelebration, dass also ein evangelischer und ein katholischer Pfarrer gemeinsam das Abendmahl segnen: „Eine offene Kommunion ist nicht unstatthaft.“

Daran, sich zur Ruhe zu setzen, denkt der 69-Jährige noch nicht. Am Tag nach der Messe in Berlin war er schon wieder auf der Autobahn Richtung Amsterdam unterwegs, zu einer Kirchentagung. Von da aus geht es dann zurück nach Saarbrücken. Ein ziemlich anstrengendes Programm? Davon könne keine Rede sein: „Das sind nicht mehr als 2000 Kilometer.“

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