Berlin : Der Sound aus der Tortenhaube

Am heutigen Sonnabend wird in der Columbiahalle zum fünften Mal der f6 Music Award vergeben. In der Endrunde spielt auch die Berliner Band „Sensor“. Ein Besuch im Probenraum in Wedding.

Falko Müller

Im Proberaum der „Sensoren“ ist es eng, kalt und unaufgeräumt. Das Interieur sieht aus, als stamme es vom Flohmarkt: Ein alter, grüner Plastiktelefonhörer liegt neben einer alten Ost-Fotolampe, die mit einer Tortenhaube abgedeckt ist. Thomas Trenkel schreit in den Telefonhörer, der als Mikrofon fungiert, Thomas Wagner dreht an Knöpfen, die an der Tortenhaube befestigt sind. Dann spielt Trenkel ein paar Töne auf seinem Bass und reißt an einem Computerjoystick. Es ist laut. Moderner, treibender Rock kommt aus den Boxen, der irgendwo zwischen Blumfeld und Grunge angesiedelt ist.

Die drei Musiker der Gruppe „Sensor“ sind die Berliner Vertreter beim f6 Music Award. Den Vorentscheid für Berlin und Brandenburg haben sie gewonnen. Heute Abend wird in der Columbiahalle eine von sechs Bands zum Sieger gekürt.

Warum benutzt eine Rockband technische Hilfsmittel? „Ich habe früher Gitarre gespielt, bin aber auch Elektronikfreak“, sagt Thomas Wagner. Verschiedene Sensoren stehen im Proberaum in einem Keller in Wedding herum. Durch Berührungen oder Bewegungen kann man mit diesen Geräten, wie eben dem Joystick, der präparierten Tortenhaube oder der Fotolampe, verschiedene Töne über einen Synthesizer erzeugen. Die Texte, allesamt auf Deutsch und von Thomas Wagner geschrieben, geben Alltagsbeobachtungen wieder und erinnern oft an die vermeintliche Banalität und Lakonie der Hamburger Schule, an Blumfeld und Tocotronic. Auch äußerlich stehen die drei mit ihren längeren Haaren und Koteletten in dieser Tradition.

Seit über zwei Jahren spielen Gitarrist und Sänger Thomas Wagner, 36, Bassist Thomas Trenkel, 24 und sein Bruder Till, 26, zusammen. Till hatte Thomas über dessen kleinere Schwester kennen gelernt. Der 36-Jährige verdient sein Geld mit Grafikdesign, Bassist Thomas studiert in Potsdam Architektur, Till ist Schauspieler. Die Brüder sind in Ostberlin geboren, Thomas Wagner ist Sachse und in Berlin zur Schule gegangen.

Bisher haben die drei im Roten Salon, im Tacheles und in der Supamolly gespielt. Dass heute ein paar hundert Zuschauer mehr da sein werden, stört sie nicht. „Da sieht man eh nur die ersten Reihen“, sagt Thomas Wagner. Und was passiert, wenn „Sensor“ den f6 Music Award gewinnen? „Wir wollen nach vorne kommen.“ Derzeit machen die „Sensoren“ auch Aufnahmen, abgemischt werden sie von Patrik Majer, der „Wir sind Helden“ produziert hat. Aber Erfolg um jeden Preis wollen die drei Berliner nicht: „Wir wollen uns nicht sagen lassen, wie wir aussehen sollen oder wie wir unsere Lieder zu spielen haben“, sagt Wagner.

Konzert um 20 Uhr in der Columbiahalle am Columbiadamm. Eintritt fünf Euro.

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