Berlin : Der Treibpreiseffekt

Knut ist ein Besuchermagnet. Andere Tiergärten würden wegen des Stars den Eintritt erhöhen

Carolin Jenkner

Vielleicht ist es ja nur Neid – doch viel Nettes hört der Berliner Zoo derzeit nicht gerade aus dem Rest der Republik. Während einige Tierschützer den Berlinern „extreme Quälerei“ vorwerfen, schimpfen andere, dass der Knut-Hype einem wirklich seriösen Zoo nicht würdig sei. Und in Hannover hält man die Berliner offenbar für ziemlich geschäftsuntüchtig: Mit einem Star wie Knut im Gehege würde er einen Eintrittsaufschlag von zwei Euro erheben, sagt Zoodirektor Klaus-Michael Machens. Damit Knut auch der eigenen Kasse guttut.

Den langen Warteschlangen zum Trotz: Der Trubel um das Eisbärenbaby kostet den Zoo auch eine Menge Geld. Zunächst einmal müssen ja die vielen, vielen Überstunden von Knuts Pflegern, die sich rund um die Uhr um den kleinen Star kümmern, bezahlt werden. Außerdem hat der Zoo zusätzliche Wachleute eingestellt, die die Besuchermassen in Schach halten. Sanitäter vom Roten Kreuz müssen den ganzen Tag bereitstehen, falls einem Besucher in der Schlange der Kreislauf wegsackt. Um unerwünschte Schlangen an ganz anderer Stelle zu verhindern, mussten neue Klohäuschen gemietet werden. Geld kosteten auch die Drängelgitter, die nun die Fans – wie bei Boygroup-Konzerten – auf Abstand halten.

Hinzu kommt: Im Vergleich zu anderen deutschen Zoos ist der Eintrittspreis in Berlin mit elf Euro niedrig. Im Hamburger Tierpark Hagenbeck müssen Besucher 15 Euro zahlen, in Hannover gar 18,80 Euro. Nur die kleineren Zoos wie Hannover oder Osnabrück verlangen ebenfalls elf Euro.

Der Berliner Zoo ist eher altmodisch. Er wartet nicht mit „Erlebniswelten“ auf, man kann hier nicht wie in Gelsenkirchen auf einer virtuellen Eisscholle durchs arktische Meer treiben. Die Besucher scheint’s nicht zu stören: 2,5 Millionen Besucher kommen jedes Jahr, 2007 könnte sich die Zahl verdoppeln – Knut sei Dank. Ob die Knut-Einnahmen höher sind als die Knut-Ausgaben – dazu schweigt der Zoo. Er erwirtschaftet derzeit 80 Prozent seiner Ausgaben selbst, zwei Millionen Euro Zuschuss bekommt er vom Finanzsenator. Das Land Berlin will die Zuschüsse bis 2011 garantieren, allerdings sollen sie in den kommenden Jahren niedriger sein.

An einen Knut-Zuschlag denkt der Zoo nach eigenen Angaben derzeit nicht. „Knut ist eines von 14 000 Tieren“, sagt der Zoologe Heiner Klös. „Wenn ich einen Zuschlag nehme, muss ich auch garantieren, dass jeder ihn sieht. Das kann ich nicht.“

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