Berlin : Der Tribüne droht schon wieder das Aus Warum das Theater in Charlottenburg schließt

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Foto: Thilo Rückeis
Foto: Thilo Rückeis

Schreck lass’ nach. Mal wieder macht eine Berliner Traditionsbühne dicht, zumindest vorläufig. Der Besitzer hat der Tribüne, dem traditionsreichen Privattheater, das sich seit 92 Jahren in Charlottenburg nahe dem Ernst-Reuter-Platz befindet, gekündigt. Der Spielbetrieb fällt deswegen in der kommenden Spielzeit aus; eigentlich sollte sie am 1. September starten und bis Sommer 2012 laufen. Grund sei der geplante Verkauf des bis auf das 300-Plätze-Theater leer stehenden Gewerbegebäudes an der Otto-Suhr-Allee 18, sagt Theaterchef Gunnar Dreßler. Der stehe samt Kündigung zwar schon seit Januar fest, aber bisher habe man gehofft, rechtzeitig vorm Ende der Theaterferien konkrete Verhandlungen mit einem möglichen neuen Eigentümer führen zu können, sagt Dreßler. Das hat sich nicht erfüllt, deswegen hat er jetzt die Reißleine gezogen. Karten für den Herbst seien noch keine verkauft. Von der Firma Eucal Immobilien, die das Haus im Auftrag der in Luxemburg ansässigen Eigentümerfirma verwaltet, war gestern nichts zum Stand des Verkaufs zu erfahren.

Gunnar Dreßler, der in Hamburg-Ottensen parallel noch das Theater in der Basilika betreibt und in seinem Verlag „Dreamland Media“ mit Aufführungsrechten handelt, hatte das seit Ende 2008 schon mal geschlossene Haus im September 2009 wieder eröffnet. Eine ziemlich gewagte Aktion, denn damals wie heute wimmelt die Otto-Suhr-Allee nicht gerade vor amüsierwilligem Kulturvolk. Ein zäher Kampf sei das, die gebeutelte Tribüne wieder beim Publikum populär zu machen, sagt Dreßler denn auch. Die jetzige Lage kommentiert der ausgebuffte Theatermann ziemlich relaxed aus dem Urlaub in Spanien am knatternden Mobiltelefon. Theater sei nicht die Immobilie, sondern der magische Augenblick auf der Bühne. Und der könne überall geschehen, falls aus der vorläufigen Schließung der Tribüne doch eine dauerhafte werde. Okay. Aber was ist mit der großen Geschichte des Hauses, an dem Fritz Kortner, Marlene Dietrich, Heinrich George spielten? „Die nützt einem nix, wenn das Haus nicht lebt. Dann ist auch eine Traditionsbühne nur eine Immobilie.“ Sollte das der zukünftige Eigentümer genauso sehen und kein Theater mehr im Hause wollen, schaut sich Dreßlers Tribüne-Theaterproduktion nach einer neuen Spielstätte um. „Dann aber in einem lebendigeren Stadtteil.“ Anderenfalls bleibt er. „Wir können mit einem Vierteljahr Vorlauf wiedereröffnen, weil die Produktion der – stets parallel in Hamburg gezeigten Stücke – weiterläuft.“ Licht, Ton, Stühle, Bar und der Geist des Hauses bleiben jedenfalls erstmal drin. Gunda Bartels

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