Berlin : Der US-Diplomat beklagt Stimmungsmache gegen den Botschaftsstandort

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"Überrascht" zeigte sich gestern die Senatskanzlei über die Kritik des US-Botschafters John Kornblum am Senat. Die im Zusammenhang mit dem geplanten Bau der Botschaft am Pariser Platz von Kornblum geäußerte Klage, der Senat rede nicht mit den US-Vertretern, sei unberechtigt. "Wir sind in ständigem Kontakt", sagte Senatskanzleichef Volker Kähne.

Erst vergangene Woche habe man mit dem stellvertretenden Botschafter über die Ergebnisse einer Washington-Reise gesprochen. Senatssprecher Michael-Andreas Butz sagte, er verstehe die Beschwerden Kornblums nicht. Der Botschafter werde hochrangig behandelt. Beim Bau der Vertretung seien nicht Protokollfragen entscheidend, sondern die Sicherheit und städtebauliche Fragen. Vor allem sollte man sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen.

Kornblum hatte in der ARD-Nachrichtensendung "Berlin Direkt" und in der Zeitung "Die Welt" gesagt, es störe ihn, dass durch den Mangel an Dialog eine Stimmung geschaffen werde, dass die Amerikaner Berlin etwas aufdrängen wollten, was nicht zulässig sei. Schon vergangene Woche hatte sich Kornblum über einen Bericht der "Berliner Morgenpost" empört, wo es geheißen hatte, die USA hätten Einvernehmen mit dem Senat erzielt, einen anderen Standort als den Pariser Platz zu suchen. Dies sei "komplett falsch", sagte Kornblum.

Der Bau der Botschaft ist umstritten, da dafür aus Sicherheitsgründen die Ebertstraße in den Tiergarten hinein verlegt werden müsste und die Behrenstraße teilweise auf das Gelände des geplanten Holocaust-Mahnmals; oder aber beide Straßen werden schmaler. Berliner Verwaltungsmitarbeiter waren im September nach Washington gereist, um die Problematik vor Ort vorzutragen und nach Lösungen zu suchen.

Die amerikanischen Gesprächspartner hätten Verständnis für die schwierige Lage gezeigt, hieß es. Es sei unter anderem über eine Umgestaltung des Gebäudes gesprochen worden, beispielsweise dahingehend, dass das Gebäude weiter zurückgesetzt werde und dafür höher. Es seien jedoch keine Entscheidungen getroffen worden. Nun sollen laut Kähne die Ergebnisse eines Verkehrsgutachten abgewartet werden, was wohl bis Ende Oktober dauern werde.

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