Der Volkswagen T-Roc : Neues von der SUV-Offensive

Der Allrad-Crossover: Der neue T-Roc ist der momentan kleinste SUV von Volkswagen. Trotz einiger Designmängel macht er bella figura.

Bella figura. Obwohl einige Designelemente des VW T-Roc fragwürdig sind - insgesamt kann er sich sehen lassen.
Bella figura. Obwohl einige Designelemente des VW T-Roc fragwürdig sind - insgesamt kann er sich sehen lassen.Foto: promo

Wo ist hier eigentlich der Auspuff? Diese Frage stellt sich bei modernen Autos öfter, deren Konstrukteure von der Abgasanlage am liebsten gar nichts mehr zeigen, als hätten sie was zu verbergen. Auch beim neuen T-Roc von VW muss man schon tief in die Hocke gehen, um hinter der Heckschürze die Öffnungen zu entdecken, wo der Dreck rauskommt, doch wer macht das schon.
Auf den ersten Blick allerdings scheint der im portugiesischen Palmela produzierte Neuling in der Wolfsburger Familie sogar zwei klassische, durchaus formschöne Auspufföffnungen zu besitzen: flach, länglich, spitz auslaufend, in den Ausstattungsvarianten „Style“ und „Sport“ sogar in Chromoptik. Allein, sie sind nur Attrappe. Wer hineinfasst, macht sich nicht die Finger schmutzig, sondern stößt gegen schwarze Plastikblenden. Statt der alten Designregel „form follows function“ hier nun „form without function“?
Eine Sünde, die sich in der Frontpartie bei der Scheinwerfer-Topversion wiederholt. Blinker, Tagfahr- und Abbiegelichter umrahmen als LED-Kränze zwei keilförmige Wabengebilde aus schwarzem Kunststoff, die optisch mit dem ebenfalls in Wabenform gestaltetem Kühlergrill korrespondieren. Aus der Ferne wirken sie wie zusätzliche Ansaugöffnungen, um den Motor mit noch mehr Luft zu versorgen. Freilich, auch hier muss man feststellen: Alles Attrappe.

Auspuff? Von wegen. Die schicken Abgasöffnungen am Heck des T-Roc sind nur Attrappe.
Auspuff? Von wegen. Die schicken Abgasöffnungen am Heck des T-Roc sind nur Attrappe.Foto: promo

Dabei hat der T-Roc solche ästhetischen Fragwürdigkeiten gar nicht nötig, macht er doch im Gesamtbild durchaus bella figura. Mit einigen Designtricks wie der zwischen A- und C-Säule sich spannenden Chromleiste, die das wahlweise in einer zweiten Farbe lackierbare Dach vom unteren Karosseriepart abgrenzt, wurde die Silhouette optisch abgeflacht, gewinnt so etwas Coupéhaftes, ohne dass der T-Roc dadurch seinen SUV-Charakter verloren hätte.
Zugegeben, kein Full-Size-SUV wie der Touareg, vielmehr einer der jetzt so beliebten Crossover – eine Mischform, die VW im Falle des T-Roc auch gern als Compact-SUV tituliert. Aber es fehlt nicht an typischen Insignien der großen Brüder: erhöhte Sitzposition, mehr Bodenfreiheit, dazu untenrum schützende Kunststoffblenden, falls es den Fahrer doch mal in schweres Gelände verschlägt, und vor allem: Allradantrieb, beim 115-PS-Benziner und -Diesel noch nicht, bei den 150-PS-Motoren optional, bei den 190ern sogar in Serie.

Auch die vermeintlichen, von LED-Kränzen umrahmten Ansaugöffnungen dienen nur der Optik
Auch die vermeintlichen, von LED-Kränzen umrahmten Ansaugöffnungen dienen nur der OptikFoto: promo

Aus dem Wunsch, die Nähe zu Touareg und Tiguan zu betonen, erklärt sich auch der etwas gewöhnungsbedürftige Name T-Roc, setzt doch VW im Wunsch nach weiterer Expansion vorrangig auf dieses Segment, spricht gar vollmundig von seiner „SUV-Offensive“. Für den US-Markt hat man mittlerweile den Atlas im Sortiment, für China den Teramont. Am unteren Ende des Modellspektrums soll auf den T-Roc der T-Cross folgen, beschlossen ist auch der erste elektrische SUV von VW. Auf den I.D. Cross muss man allerdings noch bis 2020 warten.

Alles schön digital. Der T-Roc ist leicht zu vernetzen.
Alles schön digital. Der T-Roc ist leicht zu vernetzen.Foto: promo

So bleibt der T-Roc bis auf weiteres die kleinste Variante, sich in einem VW dem SUV-Vergnügen hinzugeben, sei es in der Grundversion oder in den beiden Ausstattungsvarianten „Sport“ und „Style“. Aber was heißt schon klein. Denn wenngleich sich der T-Roc über gewundene schmale Landstraßen ebenso behände schlängelt wie durch verstopfte Kleinstadtgassen, fühlt man sich darin doch keineswegs beengt. Auch auf den Fondplätzen ist hinreichend Platz, und das beim Umklappen der teilbaren Rückbank bis auf 1290 Liter steigerbare Ladevolumen ist ähnlich großzügig dimensioniert.

Schon in der Grundversion hat der T-Roc allerlei der heute üblichen elektronischen Helferlein wie „Lane Assist“ fürs korrekte Spurhalten oder „Front Assist“ mit Fußgängererkennung und City-Notbremsfunktion an Bord, die man auf Wunsch aufstocken kann. Und digitale Armaturen, sogar mit Höhenanzeiger und Kompass, sowie diverse Vernetzungsangebote sind sowieso Pflicht, will man doch eine Zielgruppe ansprechen, die als jung, urban und Lifestyle-orientiert, vertraut also mit der modernen Medienwelt beschrieben wird, doch sich bestimmt auch über die nur 7,2 Sekunden freut, die man in der stärksten Motorversion von 0 auf 100 km/h braucht, ganz zu schweigen von den 216 km/h Spitze. Da kann man schon manchen den chromglänzenden Auspuff zeigen, auch wenn er nur eine Attrappe ist.

TECHNISCHE DATEN:

Abmessungen (L/B/H): 4,23 m / 1,82m / 1,57 m
Kofferraumvolumen: 445 – 1290 Liter
Antrieb: Sechs Motorvarianten (115/ 150/190 PS, jeweils als Benziner und Diesel)
Höchstgeschwindigkeit von 187 bis 216 km/h; 0 – 100 km/h: 7,2 bis 10,1 Sekunden
Verbrauch: auf 100 km 5,1 – 6,8 Liter Super oder 5,1 Liter Diesel
Preis: ab 20 390 Euro

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