Berlin : Der Wahlkampf des Heimwerkers

Kurt Wansner will für die CDU Kreuzberg und Friedrichshain gewinnen. Seine Partei hat ihm keinen Listenplatz gegönnt – motiviert ist er auch so

Werner van Bebber

Kurt Wansner grollt. Weit weg von Berlin macht der Direktkandidat der CDU für Kreuzberg und Friedrichshain ein paar Tage Pause von der Politik und der Stadt. Er habe gerade eine Mauer seines Ferienhauses neu verputzt, sagt der gelernte Maurer – das sei „das Beste“, was man machen könne. Normalerweise spricht Wansner mit gleichermaßen viel Freude und Pathos vom Politikmachen in Kreuzberg und Friedrichshain, davon, dass Politik viel mit Helfen zu tun hat, gerade in Kreuzberg, wo er geboren ist, und in Friedrichshain. Dass er gerade jetzt seine Freude aus der Handwerkerei bezieht, liegt an dem Ärger, den er seit dem Sonnabend spürt.

Seine Parteifreunde haben ihn nämlich bei der Aufstellung der Landesliste am Sonnabend schlicht abstürzen lassen. Vorher hatte Landeschef Ingo Schmitt noch die Devise verkündet, dass auf der Landesliste abgesichert werden solle, wer die Mühen und die Kosten einer Bewerbung im Wahlkreis auf sich nehme. Wansner kandidierte für Listenplatz sieben – ohne die Sicherheit der Liste hat er schlechte Chancen gegen einen Kandidaten wie Christian Ströbele, der sein Mandat in Kreuzberg auch durch Akklamation bekäme. Doch Wansner hatte am Sonnabend nicht genug Parteifreunde. Die Mehrheit wählte Edeltraut Töpfer, damit die Liste nicht ganz so machohaft und männerdominiert wirkte.

„Ich bin enttäuscht“, sagt Wansner nun. Das ist schon viel für den kleinen Mann mit dem kräftigen Kreuz, der sich gerne etwas patriarchalisch gibt. „Bei uns ist die Armut zu Hause“, sagt er. Wansners Metaphorik mag an Grimms Märchen erinnern, missverstehen wird ihn keiner. Aber wenn für ihn kein Politwunder geschieht, steht er als Wahlverlierer fest. Landeschef Ingo Schmitt, der Spandauer Kreischef Kai Wegner, Karl-Georg Wellmann im Südwesten, Peter Rzepka für Tempelhof-Schöneberg – alle haben sie gute Siegeschancen als Direktkandidaten, alle wollten sichere Listenplätze.

Wansner macht trotz seines Ärgers weiter, „verstärkt“, kündigt er mit fester Stimme an. Politik hat für ihn mit Kümmern zu tun, aber genauso viel mit Zusammenhalten, mit „wir gegen die“, wobei völlig klar ist, wer die Guten sind. Er sammelt Spenden für einen Wahlkampf, der nicht viel mehr als 10 000 Euro kosten soll. Was die Spenden nicht bringen, muss er selbst zahlen. Flugblätter entwerfen und verteilen, Plakate kleben oder deren Halterungen an den Laternen anbringen – „machen wir selber“, sagt er. Sollen andere viele tausend Euro für bunte Broschüren ausgeben und Handwerker für die Anbringung der Plakate anstellen – bei der Kreuzberger CDU brauchen sie das nicht. Denn Handwerker ist Wansner ja selbst.

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