Berlin : Dicke Luft im Bauministerium

Mängel am Neubau in der Invalidenstraße: Sanierung soll 18,5 Millionen kosten Architekt Max Dudler weist Vorwürfe zurück. Bund hat Klagen eingereicht

Klaus Kurpjuweit

Der Schuss ging nach hinten los. Besonders billig sollte der Neubau des Bau- und Verkehrsministeriums an der Invalidenstraße in Mitte werden. Deshalb übertrug der Bund in den 90er Jahren die Bauausführung einem Generalunternehmer. Doch jetzt muss das 40,5 Millionen Euro teure Projekt für mindestens 18,5Millionen Euro nachgebessert werden. Berichte, die Sanierung werde am Ende fast so viel kosten wie der Neubau, wies das Ministerium zurück. Die Schuld schieben sich die Beteiligten gegenseitig zu. Klarheit schafft vielleicht das Landgericht, bei dem das Ministerium Klagen gegen den Generalplaner und den Generalunternehmer eingereicht hat. Auch der Rechnungshof hat sich eingeschaltet.

An dem im Jahr 2000 bezogenen Neubau C gebe es unter anderem Mängel an der Klimaanlage, beim Brandschutz und an der Fassade, sagte gestern Sprecher Michael Marten. Insgesamt hat das Ministerium, vertreten durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), mehrere hundert Einzelmängel vor Gericht geltend gemacht. Die Richter haben jetzt dem Kläger aufgegeben, die vorgebrachten Mängel präziser zu beschreiben. In dem Verfahren fordert das BBR Schadenersatz in Höhe von zwei Millionen Euro von dem Architekten Max Dudler. Weitere Verfahren laufen nach Angaben einer Gerichtssprecherin noch.

Der renommierte Architekt kann die Vorwürfe nicht verstehen. Rund 30 Großprojekte habe er bisher entworfen. „Und bisher hat niemand einen Schaden reklamiert“, sagte Dudler gestern dem Tagesspiegel. Allerdings sei Berlin für „Pfusch auf dem Bau“ bekannt. Er selbst habe noch keine Gelegenheit gehabt, die vorgebrachten Mängel selbst zu betrachten.

Da die vorgesehene Lüftung nicht funktioniert, heizen sich die Innenräume an warmen Tagen auf mehr als 30 Grad auf. Kühle Luft soll hinter der Fassade nach oben steigen, doch was ankommt, ist oft wärmer als die Außentemperatur.Dieses System sei sehr ökologisch, sagt Dudler. Es sei nicht neu und von allen Fachleuten in der Planungsphase akzeptiert worden. Dem widerspricht allerdings der Generalunternehmer, die Baufirma Züblin. Deren Planer hätten darauf hingewiesen, dass die Anlage nicht funktionieren könne.

Im späteren Erweiterungsbau D des Ministeriums, den ebenfalls Dudler entworfen hat, übernahm die BBR selbst die Ausführungsplanung. Auch unter öffentlicher Regie habe man den Kosten- und Zeitplan eingehalten, so Marten. Die Mitarbeiter aus dem ersten Neubau ziehen nun im nächsten Jahr vorübergehend in den Bau D, damit der Komplex C saniert werden kann. Später sollen dann die Mitarbeiter, die jetzt noch im Gebäude an der Krausenstraße in Mitte arbeiten, hier einziehen.

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