Berlin : Die alten Wilden

Fast 20 Jahre waren sie in der Versenkung: Duran Duran. Nun stellen sie in Berlin ihre neue CD vor

Mikko Stübner

In den 80er Jahren gehörten sie zu den Größten der Popwelt. Ihre Fans toupierten sich die Haare wie sie, ahmten den Stil ihrer Kleidung nach. Weltweit waren die Konzerte ausverkauft, wenn Duran Duran spielten. Ihr Video zu „Wild Boys“ war ein Meilenstein. Doch eines Tages war Schluss. Die Truppe verschwand in der Versenkung.

Nun ist sie wieder aufgetaucht – und das mitten in Berlin, obendrein mit einem neuen Album. Aus ganz Europa sind Journalisten gekommen, um exklusiv die Rohfassung der CD zu hören, die am 4. Oktober erscheinen soll. Ein Interview-Termin folgt dem anderen, daher haben die fünf Mitbegründer des „New Romantic“-Genres nicht viel von der Stadt gesehen. Immerhin: Für einen Blick auf den Pariser Platz hat’s gereicht.

Ihren ersten Besuch in der Mauerstadt haben die Musiker noch gut in Erinnerung. Keyboarder Nick Rhodes sitzt im „Four Seasons“ und erzählt amüsiert: „Als wir 1981 im Kant-Kino aufgetreten sind, verbreitete die Stadt ja noch eine viel düstere Stimmung.“ So konnten die damals blutjungen Musiker auch dem Nervenkitzel nicht widerstehen, sich im Ost-Teil umzuschauen. „Es war wie in einem Agenten-Film“, ergänzt Andy Taylor: „Wir rechneten jeden Augenblick damit, dass man uns mit Spionen verwechseln und einsperren würde.“

1985 hatte Andy Taylor zusammen mit dem Bassisten John Taylor – mit dem er nicht verwandt ist – Duran Duran verlassen. Sänger Simon LeBon machte in der Zwischenzeit mit wechselnden Musikern weiter. 2003 folgten die Wiedervereinigung der Band in Ur-Besetzung, eine erfolgreiche Tournee durch Japan, die USA und ihre britische Heimat, sowie zahlreiche Musikpreise und Ehrungen für ihre Leistungen im Pop-Bereich.

Indes hat das neue Album noch keinen Namen, auch die Titelliste steht noch nicht endgültig fest. Eines ist aber klar: Duran Duran klingen wie eine Band von heute. Sie haben zeitgemäßen Pop mit R’n’B-Einflüssen produziert. Drei Jahre haben sie am Album gebastelt, es enthält sowohl leichte Partymusik und Ohrwurm-Refrains als auch traurige Titel.

Und was ist mit den alten Hits? Die spielen sie immer noch gern, auch wenn natürlich die Songs vom neuen Album im Vordergrund stehen. Alle Bandmitglieder betonen, dass sie sich nicht aus Geldgründen wieder zusammengefunden haben. Nick Rhodes: „Es sind so viele Ideen aufgelaufen, die unbedingt verarbeitet werden müssen. Das reicht für noch drei Alben.“

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