Berlin : Die CDU wartet auf ein Wort aus Nairobi

An den Wunschkandidaten Klaus Töpfer wurde ein Brief abgeschickt – als Zeichen der Hoffnung

Werner van Bebber

Nun hat er es schriftlich. Klaus Töpfer wäre der Berliner CDU als Spitzenkandidat herzlich willkommen. Das kann der Chef des UN-Umweltprogramms einem Brief entnehmen, den ihm die Berliner Parteifreunde geschickt haben. Der Brief soll dem Wunschkandidaten für die Wahl zum Abgeordnetenhaus nicht bloß zeigen, dass man sich in der Hauptstadt- CDU durchaus mit Umgangsformen auskennt und weiß, wie man einem Spitzenpolitiker ein Angebot zu unterbreiten hat. Der Brief zeigt auch, und das ist genauso wichtig: Die ganze Berliner CDU will Töpfer – da gibt es keinen Kreisverband, der querschlägt. Das dokumentieren die Unterschriften von elf Kreischefinnen und Kreischefs und eines Stellvertreters.

Eine Antwort hat der Vorstand allerdings noch nicht. Damit könnte es auch noch dauern. Töpfers Amtszeit in Nairobi dauert bis Ende Februar. Bislang hat er nicht gesagt, dass er unbedingt neue politische Aufgaben übernehmen will. Eigentlich sagt Töpfer überhaupt nichts über seine Zukunft – nur dass er nach Berlin ziehen will. Wer mag, kann darin eines der Signale sehen, die einer wie Töpfer setzt, um eine gewisse Offenheit für neue Herausforderungen zu zeigen. Diejenigen, die in der Berliner CDU fest auf Töpfer hoffen und daran arbeiten, dass sein Interesse an der Spitzenkandidatur noch größer wird, argumentieren auch gerne psychologisch: Wenn einer ablehnen will, dann tut er das doch gleich, oder?, sagen und fragen sie.

Tatsächlich spricht Töpfers Verschwiegenheit dafür, dass auch er ein Interesse daran hat, die Angelegenheit in der Schwebe zu halten. Der Mann, der als Bauminister Berlin und die Berliner gut kennen gelernt hat, der Saarländer, der immer so wirkte, als fühle er sich hier wohl, müsste nicht mal höchstpersönlich dementieren, dass ihn die Berliner CDU nicht interessierte, wenn dem so wäre; das könnte er über Bundespartei-Freunde machen. Stattdessen bestätigen Berliner CDU-Politiker, die es wissen müssen, dass Töpfer mit Landeschef Ingo Schmitt mehr als einmal gesprochen hat und dass CDU-Chefin Angela Merkel inzwischen mit der großen Hoffnung der Berliner CDU gesprochen hat.

Aber: Keiner der vier aus dem Kandidatenrekrutierungskommando um Schmitt sagt offiziell etwas. Stattdessen debattieren sie mit der Basis und bekommen von Mitte bis Charlottenburg zu hören, dass die Leute unruhig werden. Und an der Basis der Berliner CDU, wo man sich immer gern auf die Autorität der Kreis- und Landeschefs verlassen hat, haben viele vergessen, wie die fatale Lage entstanden ist, in der die Berliner CDU jetzt mit ihren 19 Umfrage-Prozenten ist.

An der Basis sagen sie: Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass unter 13 000 CDU-Mitgliedern keiner in der Lage ist, den Landesverband in den Wahlkampf zu führen. Frank Steffels Scheitern, dann die Demontage von Peter Kurth und Joachim Zeller – manche haben einfach vergessen, warum der Landesverband Ende Mai Schmitt gewählt und seine Wahl mit dem Ansinnen verbunden hat, nicht selbst Spitzenkandidat zu werden. Schmitt sollte einen finden, der wie früher mal Richard von Weizsäcker der Berliner CDU Tempo macht, Ansehen verschafft und so viel Anziehungskraft hat, dass er noch zwei oder drei Persönlichkeiten gewinnt, die als Senatoren zur Verfügung stünden – einen Mann mit Mannschaft eben.

Das Gerede und die Nervosität könnten noch größer werden, wenn die nächste Umfrage noch schlechter ausfällt und die Berliner CDU zur 18-Prozent-Partei wird. Über so trübe Aussichten trösten sich die CDU-Vormänner hinweg, indem sie an Hamburg und an Ole von Beust denken. Der hat bei der Wahl 2004 glatte 21 Prozentpunkte mehr als 2001 geholt.

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