Berlin : Die FDP entdeckt die Westtangente

Klaus Kurpjuweit

Günter Rexroth und seine Freien Demokraten haben die Westtangente wiederentdeckt und den Bau der Verbindung vom Schöneberger Autobahnkreuz bis zum Beginn des Nord-Süd-Tunnels am Landwehrkanal gefordert. Eine Idee, die am Wochenende zu Auseinandersetzungen bei den Koalitionsverhandlungen geführt hat. Die Pläne waren schon längst in der Mottenkiste verschwunden. Stadtplanerisch und auch in der Verkehrsplanung war diese Nord-Süd-Verbindung nicht mehr vorgesehen.

Konzipiert war die Strecke einst von Schöneberg entlang der Eisenbahngleise bis Wedding als Autobahn, wobei der Tiergarten in einem Tunnel unterquert werden sollte. Der Bau scheiterte aber an Protesten, vor allem denen der Bürgerinitiative Westtangente. Als sich CDU und SPD 1991 zu ihrer ersten Koalition zusammenrauften, einigten sie sich zwar auf den Tunnelbau unter dem Tiergarten. Aus der vorgesehenen Autobahn wurde aber im Koalitionskompromiss eine Stadtstraße. Deshalb musste das Land den Bau mit Kosten von mehr als 700 Millionen Mark mitfinanzieren. Eine Autobahn wäre vom Bund bezahlt worden.

Der Tunnel, dessen Eröffnungstermin noch ungewiss ist, ersetzt jetzt nur die Entlastungsstraße B 96, die nach dem Bau der Mauer durch den Tiergarten gelegt worden war. Außerdem halten die Röhren das Regierungsviertel mit dem Kanzleramt weitgehend frei vom Durchgangsverkehr. Weil keine Verbindung mehr zum Schöneberger Autobahnkreuz vorgesehen war, hat der Tunnel von der Einfahrt am Landwehrkanal bis zum Kemperplatz pro Richtung nur eine Fahr-und eine Standspur erhalten. Erst nach dem Kemperplatz Richtung Lehrter Bahnhof werden die Röhren vierspurig.

Bis zum Kemperplatz soll der Tunnel nur den Verkehr aufnehmen, der von den Uferstraßen aus und in Richtung Kreuzberg führt. Der Nord-Süd-Verkehr soll weiter über die Potsdamer Straße und die Entlastungsstraße entlang dem Sony-Komplex geführt werden und erst am Kemperplatz in den dann pro Richtung zweispurigen Tunnel abtauchen.

Nach dem Bau einer neuen Nord-Süd-Verbindung über das Gleisdreiecksgelände würde der einspurige Tunnelabschnitt von den Uferstraßen zum Kemperplatz den Verkehr nicht aufnehmen können, sagen die durchaus nicht autofeindlichen Planer aus der Senatsverkehrsverwaltung. Den Tunnel nachträglich zu erweitern, sei nur mit einem sehr hohen Aufwand möglich.

Verschwunden ist eine Nord-Süd-Verbindung auch bei den aktuellen Planungen für das Gleisdreiecksgelände. In den neuesten Plänen, auf die sich das Land und Vivico geeinigt haben, versperren neue Bauprojekte die vorgesehene Trasse. Den größten Teil der Fläche soll ein Park einnehmen. Eine Durchgangsstraße ist nicht vorgesehen.

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