Berlin : Die Flaggschiffe der Berliner SPD

Thierse soll Vize-Parteichef bleiben Wowereit besucht oft das Präsidium

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Die Berliner SPD hat zwei große Stars: Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit. Beide vertreten den kleinen Landesverband in den Führungsgremien der Bundespartei auf unterschiedliche Weise. Thierse, der seit 1990 stellvertretender SPDVorsitzender ist, wurde auf einem Landesparteitag vor drei Wochen für diesen Posten wieder nominiert. Und zwar einstimmig. Er hat beste Chancen, auf dem SPD-Bundesparteitag vom 17. bis 19. November als Vize-Parteichef bestätigt zu werden.

In der Berliner SPD ist Thierse gut verankert. Niemand trägt es ihm mehr nach, dass er sich 1992 geweigert hatte, den Vorsitz im krisengeschüttelten Landesverband zu übernehmen. Er wollte kein Frühstücksdirektor werden, dem wildgewordene SPD-Kreisvorsitzende auf der Nase herum tanzen. Einigermaßen regelmäßig besucht der Bundespolitiker die Sitzungen des Landesvorstands und lässt sich als Zugpferd für Parteiveranstaltungen einspannen. Dass sich Thierse aus den Flügelkämpfen der Landespartei stets herausgehalten hat, ist ihm gut bekommen. Er ist unangefochten das Berliner Flaggschiff in der sozialdemokratischen Bundesflotte.

Diesen Rang will ihm Klaus Wowereit auch gar nicht streitig machen, der qua Amt im SPD-Bundespräsidium sitzt, das jeden Montag um 10 Uhr im Willy-Brandt-Haus tagt. Die sozialdemokratischen Ministerpräsidenten der Länder werden offiziell zwar nur einmal monatlich dazugeladen; aber niemand hat etwas dagegen, wenn Wowereit zwischendurch vorbeischaut. Er hat es ja nicht weit – und regelmäßig auf der Bundesebene präsent zu sein, kann nicht schaden. Auf dem kurzen Amtsweg lassen sich dort auch schon mal Probleme besprechen, die den Bund und Berlin betreffen.

Christine Bergmann, ehemals Senatorin und Bundesfamilienministerin, kandidiert nicht wieder für den Bundesvorstand. Der SPD-Landeschef Peter Strieder auch nicht. Er ist froh, Delegierter des Bundesparteitags sein zu dürfen: Auf dem turbulenten Landesparteitag im Oktober wurde er mit knappen 101 Stimmen im zweiten Wahlgang gewählt. Vor zwei Jahren hatte Strieder – kurzfristig und somit ohne Absicherung durch die großen SPD-Landesverbände – für den Bundesvorstand kandidiert. Mit 97 Stimmen erhielt er das schlechteste Ergebnis. So was macht er nicht noch mal. Die Berliner CDU hat mit Christoph Stölzl auch nur ein gewähltes Bundesvorstandsmitglied. Ebenso die PDS mit der Berliner Abgeordneten Elke Breitenbach. Die Grünen sind in ihrer Bundesspitze gar nicht vertreten. Die Landes-FDP dagegen überproportional: Mit ihrem Landeschef Günter Rexrodt, Mehmet Daimagüler, Markus Löning und Alexander Pokorny. za

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