Berlin : Die Galaxie zum Greifen nah

Londoner Architektin gestaltet „Boulevard der Stars“ am Potsdamer Platz

Andreas Conrad

Ein Stern ist nicht genug. Nicht für Marlene Dietrich oder Thomas Gottschalk. In Hollywood mag ein Stern ausreichen, aber hier in Berlin, wo die Bilder das Laufen lernten, sollte es schon ein Sternenhaufen sein, eine ganze Galaxie, die den berühmten Namen umkreist. Bevor sich im Verein der Freunde und Förderer des Filmmuseums die vage Idee eines Boulevards der Stars zum konkreten Projekt verdichtete, stand fest, was es nicht werden sollte: „Kein billiger Abklatsch“ des Walk of Fame auf dem Hollywood Boulevard! Allzu nahe lag der Verdacht eines Plagiats. Aber jetzt sind sich alle Beteiligten sicher, dass ihr Projekt darüber erhaben ist.

Nachdem schon einiges durchgesickert war, wurde der Sternenboulevard gestern offiziell vorgestellt, im Filmmuseum an der Potsdamer Straße, deren Gehwege zwischen Daimler-Chrysler-City und Sony-Center nun den Stars reserviert sind. Ermöglicht durch Sony als Sponsor hatte es einen Wettbewerb gegeben, eine Jury hatte über vier Entwürfe zu urteilen: Einstimmig entschied sie sich für den Entwurf der Londoner Architektin Zaha Hadid, die in Berlin ein IBA-Wohnhaus in der Stresemannstraße gebaut hat, für Wolfsburg das gerade entstehende Wissenschaftszentrum entwarf und überhaupt international sehr hoch gehandelt wird. Ihr Entwurf war aber auch der am schwersten zu realisierende: spiralförmige Sternenbündel,die sich je einem Segment der Film- und Fernsehkunst widmen, den Schauspielern, Regisseuren, Kameraleuten, Produzenten. Verwendet werden Glasfaserelemente im Asphalt, die auf veränderten Lichteinfall reagieren, aufleuchten, dunkel werden, bei Nacht durch ein Lichtnetz von innen strahlen – eine „Promenade des Lichts“.

Fürs Erste wurden zwölf Namen festgelegt: der Filmpionier Max Skladanowsky, als Schauspieler Marlene Dietrich, Hildegard Knef, Hanna Schygulla, Armin Mueller-Stahl, als Regisseure Billy Wilder, Fritz Lang, Rainer Werner Fassbinder, Wolfgang Petersen, schließlich der Produzent Artur Brauner, der Kameramann Michael Ballhaus und der Entertainer Thomas Gottschalk. Wann der erste Spiralnebel zu blinken beginnt, steht noch in den Sternen. Zur Berlinale 2006, das sei realistisch, sagte Hans Helmut Prinzler, Direktor des Filmmuseums. Zu den Kosten wollte er sich noch nicht festlegen. Woher das Geld kommen soll, steht immerhin fest: von Sponsoren.

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