• Die geplatzte BER-Eröffnungsparty: 40.000 Gäste sollten Berlins neuen Flughafen feiern

Die geplatzte BER-Eröffnungsparty : 40.000 Gäste sollten Berlins neuen Flughafen feiern

Groß geplanter Airport, gigantische Einweihung: Es hätte ein rauschendes Fest werden können – dann aber wurde die Party zehn Tage vorher abgesagt.

"Let's write history." Gerne doch. Wenn auch eine andere.
"Let's write history." Gerne doch. Wenn auch eine andere.Foto: Tsp

Es gibt Menschen, die ein bisschen abergläubisch an die Dinge herangehen. Sie feiern nicht, bevor das zu feiernde Ereignis Wirklichkeit geworden ist. Und für den Fall, dass es regnet, haben sie immer einen Schirm dabei. Man nennt es auch auch Plan B. Wer sich über das Unvorhergesehen erhebt, zeigt einen Mangel an Demut, der immer die Alarmglocken läuten lassen müsste. Die Eröffnungsfeier für den Flughafen sollte monumental sein, was sonst, und sie sollte noch früher stattfinden, als die erste Flugbewegung auf den Bahnen.

„Ein Frühstart“, wie damals der Flugexperte des Tagesspiegels schrieb. Nicht weniger als 40.000 Gäste sollten mitfeiern am 24. Mai 2012, zwei Wochen vor der geplanten Inbetriebnahme. Etwa 300 externe Helfer hatte Event-Unternehmer Gerald Ponesky damals angeheuert, um das Fest so grandios zu inszenieren, wie die Manager das wünschten. Als Organisator der Fanmeile zur Fußballweltmeisterschaft 2006 hatte er Erfahrung mit Massenevents.

Und genau das war gewollt, keine Häppchen für die Spitzen der Gesellschaft, sondern jede Menge Bauleute, Prominente und ganz normale Bürger zwischen Kanzlerin und Komparsen. Natürlich sollten auch Klaus Wowereit und Matthias Platzek dabei sein, die damals als Regierender Bürgermeister Berlins respektive als Ministerpräsident des Landes Brandenburg amtierten. Die LED-Wand auf dem Vorfeld sollte nicht wie bei der großen WM-Fanmeile schlappe 90 Quadratmeter groß sein, sondern 600. Das Thema „Freiheit“ sollte im Mittelpunkt der Riesenfete stehen und sehr emotional vermittelt werden.

BER-Manager 2012: Es gibt keine Alternative zum Eröffnungstermin

Damit auch ja niemand aus Versehen die Einladung verpassen würde, hatte die Flughafengesellschaft den Schreiben sinnigerweise ein Taschentuch mit Knoten beigelegt. Zehn Tage vor der geplanten Gigasause brachte die Post den ersten 10.000 Geladenen die Absageschreiben. Sie brachen abrupt ab bei „Mit freundlichen“. Das Wort „Grüßen“ hatte man vergessen.

Im zwölften Jahr wird der BER immer närrischer
Eine Fluggastbrücke auf dem leeren Flugfeld, 2012.Weitere Bilder anzeigen
1 von 42Foto: Patrick Pleul/dpa
22.11.2017 23:24Eine Fluggastbrücke auf dem leeren Flugfeld, 2012.

Bei den etwa 100.000 Besuchern, die zum großen Publikumsfest am 12. und 13. Mai auf dem BER waren, stellte sich bereits Skepsis ein, ob es wirklich nur wenige Wochen dauern würde, bis zur endgültigen Eröffnung. Da gabs noch die Werbetüten mit dem Aufdruck „Der steckt alles in die Tasche. Der modernste Flughafen Europas.“

Bei einer Besichtigungstour im Frühjahr 2012 war von den Managern die Frage einer Besucherin nach einem Plan B sehr von oben herab registriert worden. Einen Plan B könne es gar nicht geben, weil es keine Alternative zum geplanten Eröffnungstermin gebe, wurde ihr mit lässiger Arroganz beschieden.

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