• Die große Herausforderung Gottesdienst im Dom für ausländische Besucher auf Englisch

Berlin : Die große Herausforderung Gottesdienst im Dom für ausländische Besucher auf Englisch

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„Braucht noch jemand Kopfhörer?“ Die Dolmetscherin Mirjam Appel kümmert sich um etwa dreißig „Foreign visitors“, Gottesdienstbesucher im Dom, die Predigt und Gebete auf Englisch verfolgen wollen. Sie verteilt Gottesdienstordungen in englischer Sprache, Funkempfänger und Kopfhörer und nimmt dann hinten an der Holzvertäfelung unter dem Balkon gegenüber der Kanzel Platz. Vielleicht bleibt noch etwas Zeit, um zur Vorbereitung einen Blick in die Predigt zu werfen. Seit 1998 überersetzt die Studentin abwechselnd mit anderen Dolmetschern die Gottesdienste im Dom. Einen Kopfhörer hat sie nicht aufgesetzt. Die Akustik ist hinten, direkt an der Wand, hervorragend. Mit freundlicher und entspannter Stimme spricht die Dolmetscherin ins Funkmikrofon, während im Kirchenraum unter der Kuppel die donnernden Worte des Präses Manfred Kock widerhallen.

„Vergeltet nicht Böses mit dem Bösen, überwindet das Böse mit Gutem“, lautet die Botschaft im Predigttext zum 4. Sonntag nach Trinitatis aus dem Römerbrief 12, 17-21. Eine große Herausforderung an den Menschen, findet der Präses, und nimmt rhetorisch den möglichen Einwand vorweg, dies lasse sich nicht auf die persönlichen Probleme mit dem bösen Nachbarn anwenden. „Soweit es euch möglich ist“, heißt es denn auch in der Bibel. Von Rache und Vergeltung abzusehen und diese Gott zu überlassen, könnte befreiend sein, Raum geben für gute Gedanken. So seien die Worte „Mein ist die Rache, ich werde vergelten, spricht der Herr“ als befreiendes Angebot und nicht als alttestamentarische Beschreibung Gottes zu sehen, sagt Kock. Und als Beispiel, wie so eine Vergeltungsspirale verlassen werden könnte, erzählt er von dem alten chinesischen Kaiser, der seine Freinde vernichtete, indem er sie zu Freunden machte, mit ihnen am Feuer zusammensaß und scherzte. ulg

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