Die Grünen : Ströbele: Grüne sind "zu etabliert"

Der Mitgründer der Grünen, Hans-Christian Ströbele, kritisiert die Partei zum 30. Geburtstag.

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Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele hält seine Partei 30 Jahre nach der Gründung in manchen Dingen für „zu etabliert“. „Im äußeren Erscheinungsbild wünsche ich mir die Grünen manchmal etwas bunter und alternativer, so wie das am Anfang gewesen ist“, sagte Ströbele im Interview mit der Nachrichtenagentur ddp. Er wünsche sich etwa, „dass man auch im Parlament mal Formen des Protestes praktiziert, wie wir das früher gemacht haben“. Die Grünen feiern Mitte Januar ihr 30-jähriges Bestehen.

Der Bundestagsabgeordnete, der seinen Wahlkreis in Kreuzberg hat, sagte, auch in anderen Punkten hätten sich die Grünen in ihrer Entwicklung zu sehr an andere Parteien angepasst. Früher sei etwa eine strikte Trennung von Amt und Mandat für die Grünen selbstverständlich gewesen, heute gelte das nicht mehr. „Solche Sachen sind verloren gegangen“, sagte der Grünen-Mitbegründer, der zum linken Flügel seiner Partei zählt.

Zugleich wies Christian Ströbele Vorwürfe zurück, die Partei habe in ihrer Entwicklung auch an Streitkultur eingebüßt. Er wünsche sich die parteiinternen Diskussionen zum Teil zwar „durchsichtiger und öffentlicher“, sagte er, „aber ich glaube, da haben wir noch immer einen weiten Vorsprung vor den anderen Parteien.“ Der Mut zum Debattieren sei immer noch sehr ausgeprägt – „manchmal zum Leidwesen der Parteispitze“.

Ströbele lobte, die Grünen hätten inhaltlich „ungeheuer viel bewirkt“ und die Themen Umwelt, Energie und Klimaschutz in die Mitte der Gesellschaft geholt. Dadurch seien diese Themen auch bei anderen Parteien auf die Agenda gekommen. Die Grünen hätten „erhebliches zusätzliches Wählerpotenzial“, sagte der Parteilinke, „das müssen wir jetzt ausschöpfen.“ Er betonte: „Dass man mal in der Mitte Berlins einen grünen Direktkandidaten wählen würde, das habe ich vor 30 Jahren nicht für möglich gehalten.“ Ströbele hatte bei der Bundestagswahl im September zum dritten Mal in Folge ein grünes Direktmandat eingefahren – als bislang einziger Politiker seiner Partei. (ddp)

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