Berlin : Die historischen Ereignisse sollen vier Mal pro Woche nachgestellt werden

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Der Hauptmann von Köpenick kehrt mit seiner Garde im nächsten Frühjahr zurück: In Anlehnung an die Ereignisse vor 93 Jahren, als Schuster Wilhelm Voigt durch seine Köpenickiade weltberühmt wurde, soll der Hauptmann von heute auch das Rathaus besetzen, den Bürgermeister festnehmen und die Stadtkasse beschlagnahmen. Aber alles nur symbolisch - schließlich ist die Inszenierung als Touristenattraktion gedacht. Vier Mal pro Woche wird sich das Spektakel in der Köpenicker Altstadt jeweils um 11 Uhr abspielen.

"Wir wollen damit viele Gäste auf die Insel zwischen Dahme und Spree locken", sagt die Chefin des Tourismusvereins Köpenick/Treptow, Katrin Reiche-Kurz. So könnten beispielsweise Reiseunternehmen ihre Busse an diesen Tagen gezielt nach Köpenick steuern. Auch mit der Stern- und Kreisschifffahrt wird derzeit darüber verhandelt, dass die Fahrgäste für die Zeit des Spektakels ihr Schiff verlassen dürfen, und anschließend ihre Rundfahrt fortsetzen.

Das Arbeitsamt hat für den Hauptmann-Aufzug zehn ABM-Stellen bewilligt. "Die mündliche Zusage für die finanzielle Förderung liegt vor", berichtet die Tourismusvereinschefin. Die Suche nach geeigneten Uniformierten ist bereits im Gange. Sechs Männer und eine Frau haben schon ihre Unterlagen eingereicht. "Die Leute sollten auf jeden Fall kontaktfreudig sein", sagt Frau Reiche-Kurz. Denn die "Soldaten" werden neben dem Wachaufzug als Stadtinformanten eingesetzt. Das könnte auch in Neukölln oder Tempelhof sein, wo sie dann unter anderem Flyer über die Altstadt Köpenick verteilen.

Gemeinsam mit dem Köpenicker Wirtschaftskreis wird derzeit kräftig geworben, um so schnell wie möglich die noch fehlenden 40 000 Mark für die Uniformen zusammenzubekommen. "Wir brauchen Sommer- und Winterkostüme sowie Pickelhauben und Gewehre", sagt die Vereinschefin. Aus diesem Anlass wird es an diesem Sonntag im Altstadtcafé Köpenick, Alt-Köpenick 16, eine Auktion geben. Aquarelle, Zeichnungen und Radierungen, die mehrere Künstler zur Verfügung stellen, werden ab 11 Uhr versteigert. Rund 7000 Mark wurden bislang von Bürgern und Gewerbetreibenden für die Hauptmann-Inszenierung gespendet.

Neben den vielen Zustimmungen zum "Wachaufzug" gibt es aber auch kritische Stimmen, die befürchten, das immer wiederholte Spektakel könne "totgespielt " werden. "Wir müssen sehen, wie es von den Leuten angenommen wird, auf jeden Fall probieren wir es und setzen damit auch ein positives Zeichen für die leider an vielen Stellen marode Altstadt", sagt die Tourismusvereinschefin.Wer sich für einen Garde- oder Hauptmannsjob interessiert, meldet sich direkt beim Verein unter der Telefonnummer 655 7238.

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