Berlin : Die Job-Maschinen der Stadt

Erfolgreiche Unternehmen wie Berlin-Chemie, SAP, BMW und Ebay zeigen, wo es trotz Flaute Wachstumschancen gibt

Volker Eckert

Entlassungen, Pleiten, Finanzskandale – der Ruf der Berliner Wirtschaft ist mies, die Arbeitslosenquote hoch. Erstaunt reibt der Leser sich die Augen, wenn er am Dienstag von einer Firma wie der Berlin-Chemie liest, die 600 Mitarbeiter einstellen will, weil sie insbesondere in Osteuropa erfolgreich ist. Ein Einzelfall? Durchaus nicht, noch einige andere Firmen in der Stadt haben in den vergangenen Jahren die Krise ignoriert und in schlechten Zeiten investiert. Es gibt sie also noch, die Berliner Erfolgsgeschichten.

Sie sind mittlerweile im Stadtbild nicht mehr zu übersehen: die Männer und Frauen auf den blauen Fahrrädern. Sie sind Zusteller der PIN-AG, die seit vier Jahren der Post immer mehr Kunden abjagt, vor allem Firmen und Behörden. Allein seit vergangenem August hat das Unternehmen in Berlin seine Mitarbeiterzahl um 150 auf 800 ausgedehnt. „Ende des Jahres wollen wir bei 1000 sein“, sagt Sprecher Sven Radermacher. Die PIN-AG sei billiger als die Post, sie verlange keine Zahlung im Voraus: Vorteile, die immer mehr Kunden nutzen wollen. Darunter sind die Senatsverwaltung, Polizei und viele Gerichte. Möglich wurde das durch einen Rahmenvertrag, den das Land vor zwei Jahren mit der PIN-AG abgeschlossen hat, um das Unternehmen zu stützen – und selbst Geld zu sparen.

Stark zugelegt hat im vergangenen Jahr auch die Fluggesellschaft Air Berlin: von 6,7 Millionen Passagieren auf 9,6 Millionen. Die Belegschaft ist in der Zeit um 500 auf 2500 angewachsen. Der Grund für die Zuwächse? „Wir haben gegen den Trend investiert und neue Verbindungen ins Programm genommen“, so Sprecher Peter Hauptvogel. Erfolgreich waren auch die Bayerischen Motoren Werke BMW mit der Motorradfertigung in Spandau: Dort wuchs die Belegschaft nach dem Ausbau des Werks um 300 Mitarbeiter.

Einen Wachstumskurs hat auch der Vorstandsvorsitzende von SAP Deutschland, Henning Kagermann, angekündigt. Gerade hat der Weltkonzern seine repräsentative Berlin-Niederlassung nahe dem Hackeschen Markt eröffnet, wo 500 Mitarbeiter aus anderen Niederlassungen in Berlin und Deutschland zusammengezogen worden sind. „Für 50 Kollegen ist dort noch Platz“, heißt es aus der deutschen Zentrale des Softwareherstellers. Weiter wachsen will auch die Ebay-Zentrale im Europarc Dreilinden. Knapp 600 Menschen arbeiten mittlerweile bei dem Internet-Auktionshaus. Im Jahr 2001 war man mit 80 dort hingezogen.

„Vorsichtigen Optimismus“ in der Berliner Wirtschaft sieht man auch in der zuständigen Senatsverwaltung. Nach einer IHK-Umfrage bei Berliner Unternehmern gehe es mit der Stimmung seit Herbst wieder bergauf, sagte Pressesprecher Christoph Lang. Mit einer Entlastung auf dem Arbeitsmarkt sei aber erst zum Ende des Jahres zu rechnen.

Einen kleinen Beitrag dazu will GSP leisten, die seit 1984 in Steglitz Fahrgastinformations-Systeme für den Nahverkehr herstellt. Die Firma mit 157 Mitarbeitern hat 2003 zehn Kollegen eingestellt. In diesem Jahr sollen es noch ein paar mehr werden.

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