Berlin : Die jüngsten Erstklässler aller Zeiten Reformjahrgang wird morgen eingeschult

Susanne Vieth-Entus

Morgen ist ein historischer Tag für die Berliner Schule: Erstmalig und einmalig kommt ein anderthalbfacher Jahrgang in die erste Klasse, weil die Schulpflicht um ein halbes Jahr vorverlegt wurde. Kein anderes Bundesland wagt diese Reform auf einen Schlag: Bayern strebt zwar auch die Schulpflicht für Fünfeinhalbjährige an, lässt sich dafür aber bis 2010 Zeit.

Viele der 41000 Erstklässler kennen ihre Schule bereits: Tausende Eltern haben die Möglichkeit genutzt, ihre Kinder seit Anfang August in die neuen Schulhorte zu schicken. Auf diese Weise konnten die Schulanfänger auch schon den Schulweg üben und das Mittagessen ausprobieren. Allerdings sind einige der neuen Mensen, Küchen und Aufenthaltsräume noch Baustellen.

Wegen Raummangels müssen viele Schulen mehr Schüler pro Klasse aufnehmen als die empfohlenen 25 Kinder (bei hoher Ausländerrate 20 Kinder). Zum Ausgleich können in diesen Fällen aber zeitweilig zwei Pädagogen gleichzeitig im Unterricht eingesetzt werden.

Neu ist an vielen Schulen auch, dass es statt einer nun zwei oder gar drei Einschulungsfeiern geben wird: Da im Schnitt 50 Prozent mehr Erstklässler samt Eltern und Geschwistern unterzubringen sind, ist es mancherorts zu eng. Den größten Andrang hat die Rudolf-Wissell-Grundschule in Wedding zu bewältigen: Hier gibt es knapp 200 Schüler in den ersten Klassen.

Ganz ungewöhnlich ist ein Schulbeginn mit rund 40000 Neuschülern in Berlin nicht: Bevor der Ost-Berliner Geburtenknick in den Schulen ankam, gab es ähnlich große Jahrgänge. 1994 etwa wurden über 39000 Erstklässler gezählt. Hinzu kamen damals noch rund 10000 Vorklassenkinder. Seither wurden allerdings rund 50 Grundschulen geschlossen, so dass das Raumangebot insgesamt geschrumpft ist. Manche Schulen befürchten deshalb, dass es eng wird, weil sie ja auch noch Aufenthaltsräume für die Hortkinder bereithalten müssen.

Für Fragen und Probleme rund um das neue Schuljahr hat die Senatsverwaltung für Bildung noch bis 19. August von 9 bis 17 Uhr (donnerstags bis 20 Uhr) eine Hotline geschaltet: 9026-6416/-6087.

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