Berlin : Die Liebe und das liebe Geld

Räuber überfielen Banken, weil sie Freundinnen finanzieren wollten

Kerstin Gehrke

In Raum 500 des Landgerichts entschuldigte Thomas R. seine Tat damit, dass er für seine Freundin Geld beschaffen wollte. Mit den finanziellen Bedürfnissen ihrer Freundinnen begründeten auch Tino B. und Emre T. das, wofür sie im Saal 606 des Landgerichts auf der Anklagebank saßen. Alle Räuber hatten eine Art „Stammfiliale“. Der Einzeltäter R. überfiel dreimal eine Postfiliale in Lichterfelde, das Duo B. und T. dreimal eine Sparkasse in Tiergarten.

Der 34-jährige R., gelernter Kellner, hatte sich in der Immobilienbranche selbständig gemacht. Er machte Schulden. Nach der Geburt seiner Tochter soll ihm seine Lebensgefährtin Vorwürfe gemacht haben: „Du kannst nicht einmal eine Familie ernähren.“ Und dann sagte sie am Telefon einem Satz, der ihm nicht aus dem Kopf gegangen sei: „Dein Kind hat Hunger!“ Der Mann nahm die Gaspistole seines Vaters und fürs Maskieren eine Strumpfhose seiner Mutter. „Geld her“, verlangte er wenig später in der Postfiliale und hielt mehrere Personen in Schach. Rund 800 Euro erbeutete er am 12. Juli 2002. R. kam im Abstand von wenigen Wochen noch dreimal in die Filiale – zweimal als Räuber, dann als Kunde. Als er fünf Euro für Zigaretten abheben wollte, erkannte ihn die Filialleiterin .

Tino B. und Emre T. hatten sich beim Film kennen gelernt. Als Komparsen träumten sie von einer Karriere als Schauspieler. Jetzt droht ihnen eine mehrjährige Freiheitsstrafe, die für Thomas R. nach nur eintägigem Prozess Wirklichkeit wurde. Das Landgericht ahndete seine Überfälle mit einer Beute von insgesamt knapp 3700 Euro mit sechs Jahren und neun Monaten Haft.

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