Berlin : Die Luxuslinie

Die S 21 zwischen Nord- und Südring wird teuer: Die Strecke bis zum Hauptbahnhof kostet 309 Millionen Euro – das ist nur der Anfang

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Diese Strecke dürfte weltweit einmalig sein: Erst hält die S-Bahn in einem extrem teuren Bahnhof, dann fährt sie mitten durch ein Hotelgebäude, anschließend passiert sie ein unter ihr liegendes Parkhaus, um dann auf einer 1944 nach heftigen Bombentreffern stillgelegten Verbindungskurve den Südring zu erreichen. Die Arbeiten für die S 21 genannte Strecke zwischen dem Nord- und dem Südring sollen im nächsten Jahr beginnen – falls der Bund die Mittel nicht doch noch streicht. Denn die Eventroute kostet.

Zunächst soll nur der kurze Abschnitt vom Nordring zum Hauptbahnhof gebaut werden – für voraussichtlich 309 Millionen Euro. Diese Investition verhilft mit dem Halt im Hauptbahnhof zu einer einzigen Station mehr im Netz. Ein Betriebskonzept für die Stummelstrecke liegt laut S-Bahn noch nicht vor. Die Leistung muss vom Senat bestellt werden. Wann anschließend weitergebaut wird, ist ungewiss. Frühestens 2018, nach Abschluss der Arbeiten für die U-Bahn-Linie U 5 (Alexanderplatz – Brandenburger Tor/Hauptbahnhof), soll nach derzeitigem Stand der Abschnitt vom Hauptbahnhof bis zum Potsdamer Platz an der Reihe sein. Nördlich und südlich ist der Tunnel bereits zum Teil vorhanden, entstanden in den Dreißigern. Auch der Bahnhof ist deshalb bereits viergleisig angelegt.

Erst mit der Verbindung zum Potsdamer Platz wird die Strecke so wirtschaftlich, dass die gewaltigen Investitionen rechnerisch zu rechtfertigen sind. Dann entsteht eine weitere Nord-Süd-Verbindung – fast parallel zu den Röhren der Fernbahn und dem Nord-Süd-S-Bahn-Tunnel aus den dreißiger Jahren mit dem zentralen Umsteigebahnhof Friedrichstraße. Durch diesen Tunnel würden dann weniger Züge fahren als heute.

Für die Planer ist am Potsdamer Platz noch nicht Endstation. Langfristig ist vorgesehen, die S-Bahn weiter nach Süden zu führen. Am Bahnhof Gleisdreieck der U-Bahn soll eine Umsteigestation entstehen. Anschließend erreichen die Gleise die vorhandene Nord-Süd-Verbindung der Wannseebahn mit dem dann auf vier Gleise auszubauenden Bahnhof Julius-Leber-Brücke. Über die sogenannte Cheruskerkurve, benannt nach der benachbarten Cheruskerstraße, sollen die Züge dann auf den Südring einbiegen und so den Bahnhof Südkreuz erreichen.

Ob und wann der letzte Abschnitt dieser Nord-Süd-Verbindung gebaut wird, ist völlig offen. Vorgesorgt hat man aber schon. Im vor kurzem eröffneten Scandic-Hotel am Potsdamer Platz, das über der Trasse der U-Bahn-Linie U 2 (Pankow-Ruhleben) errichtet worden ist, klafft an der Südseite ein Riesenloch in der Fassade, geschützt durch einen Zaun. Hier sollen eines Tages die Züge der S-Bahn unter den Zimmern der Hotelgäste entlangfahren; beim Bau des Ensembles musste der Raum auf Kosten des Bauherrn freigehalten werden. Die S-Bahn würde hier den Tunnel verlassen und, wie die benachbarte U-Bahn, die Fahrt in Hochlage fortsetzen.

Ob das Riesenloch in der Wand jahrzehntelang bleibt, steht nicht fest. Ursprünglich war vorgesehen, die Bebauung nach Süden bis zum Landwehrkanal fortzusetzen. Die neuen Gebäude würden das Loch verdecken. Falls nicht weitergebaut werde, wolle man sich für das Loch etwas einfallen lassen, erklärt der Bauherr. Ein anderes Gebäude an der Stelle müsste ebenfalls so gebaut werden, dass die Züge der S-Bahn hindurchfahren könnten.

Südlich des Landwehrkanals steht das mit den Bauten am Potsdamer Platz errichtete Parkhaus der Trasse nur scheinbar im Weg. Kommt die S-Bahn, würde das ungenutzte Oberdeck abgerissen, um Platz für die Züge zu schaffen. Die Statik des Gebäudes ist bereits dafür ausgelegt.

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