Berlin : Die Männer für ganz weit oben

Beim Brand in der Philharmonie bewährten sich die Höhenretter der Feuerwehr – gegründet wurde die Truppe in der DDR

Christoph Stollowsky

Beim Brand der Philharmonie turnten sie in 40 Meter Höhe auf dem glatten Dach herum, immer wieder von Rauchschwaden verdeckt, schlugen sie Löcher in die Dachhaut, um an die Brandnester heranzukommen und sicherten Kollegen. Olaf Schmäu ist Einsatzleiter der Höhenrettungsgruppe der Berliner Feuerwehr. Beim Brand der Philharmonie hat sich sein Team erneut bewährt.

1996 wurde die Höhenrettergruppe neu gegründet, seither sind ihre rund sechzig Mitglieder zentral in der Feuerwache Marzahn stationiert. Dabei spielt auch die Tradition eine Rolle, denn eine solche Spezialabteilung gab es bis zur Wende nur in Ost-Berlin. Damals wurde sie abgewickelt, aber schließlich aufgrund der guten früheren Erfahrungen wieder aufgestellt. Olaf Schmäu ist seit 1999 dabei und noch immer von seinem Job fasziniert. „Man muss topfit sein, sich auch in großen Höhen sicher fühlen und eine spannende Technik beherrschen“, sagt er. „Das ist eine ständige Herausforderung.“

Schmäu klettert beim Training den 180 Meter hohen RBB-Sendemast an der Heerstraße hinauf oder durchs Gitterdach des Sony-Centers, übt Abseilen am Kletterfelsen in Marzahn und rennt mit voller Feuerwehrausrüstung plus Atemmaske- und Flasche in sechseinhalb Minuten die 39 Stockwerke des Park-Inn-Hotels am Alexanderplatz hoch: So übt er für Spezialeinsätze bei Unfällen oder Bränden in großer Höhe oder in der Tiefe. Der 42-Jährige ist auch Ausbilder.

Die Höhenretter müssen „ran“, sagt Schmäu, wenn die normale Feuerwehrtechnik an ihre Grenzen stößt, also beispielsweise Drehleitern zur Personenrettung nicht hoch genug hinaufreichen oder in engen Hinterhöfen kein Platz für sie da ist. In solchen Situationen rückt ein Team von fünf Mann mit einem speziellen Gerätewagen aus. Sie haben bis zu 200 Meter lange Seile dabei, Flaschenzüge, Sitze zum Abseilen, Karabinerhaken und vieles mehr, was zu einer Bergsteigerausrüstung gehört. Am Einsatzort müssen sie herausfinden, ob es noch möglich ist, durchs Treppenhaus in die höheren Etagen vorzudringen. Droht dabei Gefahr, sind ihre Fähigkeiten als Fassadenkletterer gefragt. Und oben angekommen, müssen sie in Sekundenschnelle Haltepunkte wie Heizungsrohre für ihre Seilkonstruktionen finden, mit denen sie die bedrohten Bewohner hinablassen.

Der gelernte Baumaschinist Schmäu hat nach seiner Ausbildung zum Feuerwehrmann einen Spezialkurs absolviert und anschließend einen Lehrgang an der Brand- und Katastrophenschutzschule in Magdeburg, hinzu kommen ständige Fortbildungen – und jetzt unterrichtet er selbst künftige Höhenretter.

Deren Hilfe ist längst nicht nur bei Bränden gefragt. Schmäu kletterte in den vergangenen Monaten zu Kränen oder Strommasten hinauf, um Lebensmüde davon abzubringen, sich in den Tod zu stürzen. Oder er seilte sich in den Fahrstuhlschacht eines Rohbaus ab und barg einen abgestürzten Arbeiter. Mitte Juli fährt ein Team von Berlins Höhenrettern nach München. Zwölf ähnlich spezialisierte Feuerwehrgruppen aus deutschen Städten treten zum Wettkampf an. Auch Olaf Schmäu wird dabei sein.

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