Berlin : Die Mami-Trainer

„Steep“ hilft jungen Frauen, ihr Baby zu verstehen Heute erhält das Programm eine Auszeichnung

Dorothee Schmidt

Wenn schon sozial gefestigte, gut ausgebildete Frauen mit glücklichen Kindheiten und einem Mann an ihrer Seite in Schwierigkeiten geraten können, wenn das Wunschkind auf der Welt ist und betreut werden will, wie ergeht es dann erst minderjährigen Müttern, die aus Versehen schwanger wurden, deren Freund weggelaufen ist und die von ihren Eltern viele Aggression und Prügel kennen?

Um die kümmert sich zum Beispiel Steep. Steep steht für „Steps towards effective, enjoyable parenting“, auf Deutsch etwa: „Schritte hin zu einer effektiven und erfreulichen Kindererziehung“. Seit September 2004 wird das in den USA bereits vor 20 Jahren entwickelte präventive Betreuungsprogramm für junge Mütter in Deutschland angewandt. Und am heutigen Montag wird es am Gendarmenmarkt von der Hamburger Körber-Stiftung ausgezeichnet: Steep ist einer der Gewinner im Transatlantischen Ideenwettbewerb „USable“. „Das Projekt leistet eine gesellschaftlich und politisch äußerst wichtige Arbeit“, sagt Eveline Metzen von der Körber-Stiftung.

Im Idealfall sollen die Steep-Beraterinnen junge Mütter von der Schwangerschaft bis zum zweiten Lebensjahr des Kindes begleiten. Sie vermitteln Erziehungskompetenzen und vermindern Unsicherheiten. Warum weint mein Kind? Was isst ein Baby? Sie helfen den Frauen dabei, ihr Baby zu verstehen und die Bindung zwischen Mutter und Kind zu stärken. Steep will präventiv eingreifen, damit die Kinder nicht vernachlässigt werden. Die Psychologinnen und Sozialpädagoginnen besuchen die Mütter zu Hause und arbeiten mit ihnen in Gruppen. In Rollenspielen lernen sie, Grenzen zu setzen oder die Signale des Kindes richtig zu erkennen.

In Berlin und Brandenburg sind die drei lokalen Steep-Gruppen an vorhandene Strukturen angebunden: durch Kooperationen mit dem autonomen Frauenzentrum in Potsdam, mit dem Verein Clab in Teltow-Stahnsdorf und dem Märkischen Sozial- und Bildungswerk in Köpenick. Begleitet wird das deutsche Steep-Projekt von Wissenschaftlern der Fachhochschulen Potsdam und Hamburg, das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert die Arbeit der Beraterinnen und des wissenschaftlichen Teams.

Kontakt: Gabriele Koch und Bärbel Derksen, Elternberatung „Vom Säugling zum Kleinkind“, Tel.: 0331/270 05 74

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