Berlin : Die Polizei kann nicht folgen

Der „schwarze Riese“ raubt weiter: Zuletzt überfiel er eine Videothek – und keiner schafft es, ihn zu beschreiben

Jörn Hasselmann

Der „schwarze Riese“ narrt weiter die Polizei. Trotz eines sofortigen Großeinsatzes konnte der Räuber auch nach seinem 14. Überfall am Mittwochabend unerkannt flüchten. Um 21.30 Uhr hatte ein etwa 1,85Meter großer Schwarzer die Videothek Video Inn am Joachim-Gottschalk-Weg in der Gropiusstadt überfallen. Die Polizei weiß nicht einmal, ob nach dem Überfall der richtige Mann verfolgt wurde – seine Spur verlor sich in einer Grünanlage. Ein dunkelhäutiger Mann, der kurzzeitig festgenommen worden war, scheidet als Täter aus. Die beiden Angestellten im „Video Inn“ erkannten den Mann nicht wieder.

In den vergangenen Wochen sind eine Vielzahl von großen und schwarzhäutigen Menschen überprüft worden – doch immer ohne Ergebnis. Denn die Kripo hat ein Problem: Mitteleuropäer haben Probleme, dunkelhäutige Menschen genau zu beschreiben. „Groß und schwarz“ sind die einzigen Angaben zum großen Unbekannten, die bisher zu erhalten waren. Deshalb gibt es auch kein Phantombild vom Täter.

Die Überfallserie begann am 16. Januar, überwiegend waren Videotheken, aber auch Lebensmittelläden oder Tankstellen das Ziel. Die Masche ist immer dieselbe: Der Räuber betritt ruhig, fast gemächlich, den Laden oder die Videothek, stellt den Angestellten höflich und in gutem Deutsch eine Frage, zieht dann aber seine Waffe aus der mitgebrachten Tasche und fordert Geld. Gewalt habe der Mann bislang nie angewandt, sagte Polizeipräsident Dieter Glietsch mit gewisser Erleichterung. Denn bei den beiden jüngsten spektakulären Raubserien war das ganz anders: Die jüngst festgenommenen „Kneipenräuber“ schlugen immer sofort zu, und der „Spritzentäter“ drohte seinen Opfern damit, er werde sie mit Aids infizieren.

Von einem höflichen Räuber will die Kripo im Fall des „schwarzen Riesen“ dennoch nicht sprechen, denn der Mann ist immer bewaffnet. Tatsächlich spreche er gepflegtes Deutsch, sagte Chefermittler Manfred Schmandra dem Tagesspiegel. In einem überfallenen Hotel habe er sich nach den Zimmerpreisen erkundigt und an einer Tankstelle nach einer Kaugummisorte. Das größte Rätsel ist für die Kripo immer noch, ob es sich um einen, zwei oder sogar drei Täter handelt. Gegen einen am 28. Januar festgenommenen 31-jährigen Gambier besteht der Haftbefehl fort, obwohl er seit gut zehn Tagen wieder frei ist. Zur Verwunderung der Polizei ging die Serie nach der Festnahme unverändert und mit identischer Vorgehensweise weiter.

Während die Justiz immer noch von mindestens zwei Tätern ausgeht, hält die Kripo es für sehr gut möglich, dass damals der Verkehrte eingesperrt worden ist. Nachdem ein Opfer den Mann als 1,80 Meter groß beschrieben hatte, waren sogar kurzzeitig drei verschiedene Täter für möglich gehalten worden. „Doch das ist unwahrscheinlich“, sagte Chefermittler Schmandra. Die Größenangaben variierten stark – je nachdem, wie groß das jeweilige Opfer ist.

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