Berlin : Die Schürzenjägerin

Andrea von Seggern entwirft Schutzkleidung für Hobbyköche und -gärtner. Manche sehen aus wie Abendkleider – und die Handytasche darf nicht fehlen.

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Selbst gemacht. Es begann mit Weihnachtsgeschenken für die Familie, heute lässt die Modedesignerin Andrea von Seggern andere für sich nähen. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Selbst gemacht. Es begann mit Weihnachtsgeschenken für die Familie, heute lässt die Modedesignerin Andrea von Seggern andere für...

„Das reicht mir nicht wirklich als Herausforderung.“ Das dachte sich Andrea von Seggern zweimal in ihrem Leben. Beim ersten Mal arbeitete die gelernte Modedesignerin bei einem Hemdenhersteller. „Da ist man ein paar Tage lang kreativ für die Kollektion und dann geht es nur noch um Verwaltung“, sagt Seggern. Sie schmiss den Job und fing an, Architektur zu studieren. Sie lernte ihren jetzigen Mann kennen, bekam einen Sohn, arbeitete zehn Jahre lang in einem Architekturbüro und kümmerte sich um Altbausanierungen. Dann kam dieser Gedanke wieder: „Das reicht mir nicht.“ Sie kündigte.

Heute näht die 47-jährige gebürtige Berlinerin in ihrer Wohnung in Schöneberg handgemachte Küchen- und Gartenschürzen und verkauft sie unter dem Label „gut eingefädelt“. Erst einmal hatte sie eine Zeitlang gebraucht, um herauszufinden, wie es weitergehen sollte. „Ich habe Textilien als Material vermisst“, sagt Seggern. Vor knapp drei Jahren hatte sie dann die Idee, Schürzen für stilbewusste Köche und Gärtner zu designen, als vollwertige Kleidungsstücke. Über den Onlineshop, in unregelmäßigen Abständen gibt es auf Märkten und in ausgewählten Läden etwa 30 verschiedene Modelle mit aufgestickten Blumen, abnehmbaren Topflappen und Schnallen für Küchentücher und Kochlöffel. Sie kosten zwischen 16 und 39 Euro.

Einige hundert Stück habe sie schon verkauft, sagt Seggern. Immerhin hat sich die Modedesignerin mit ihrer Geschäftsidee genau auf das Feld zweier Trends spezialisiert: Küche und Garten. „Kochen läuft langsam etwas aus, aber das Thema Garten tobt noch mächtig“, sagt Seggern. Kürzlich hat sie sogar eine Bestellung aus Mexiko erhalten, für das Schürzenmodell „Boa“, bei dem sich eine Leinenrüsche quer über die Schürze und um den Hals legt. „Schürze statt Abendkleid lautet die Devise“, so ist es auf der Internetseite nachzulesen. Trotz kreativer Designs und teilweise ausgefallenen Verzierungen sind die Schürzen gut waschbar. Sie sind aus Baumwolle, Leinen und Planen hergestellt.

Das Nähzimmer ist über die große Wohnküche der Seggerns zu erreichen. Es sieht aus wie eine vergrößerte Puppenstube der fünfziger Jahre. Andrea von Seggern steht zwischen Schnittmustern, den eleganten, geblümten Cocktailsesseln und dem zierlichen weißen Schreibtisch aus dem Besitz ihrer Schwiegermutter. Die führte einst ein Familienunternehmen im Tuchhandel. Auf einer Geschäftsreise nach Paris hatte sie sich mit Modezar Christian Dior angefreundet. „Vielleicht weht ja hier noch etwas von seinem Geist“, sagt Seggern lachend und blickt auf die Schürzen an den Wänden. An einer hängt eine Stoffeule, die sich als Topflappen entpuppt – ein neues Modell, sagt Seggern.

Die Geschäftsidee lag schon eine ganze Weile gut sichtbar vor ihr, bevor sie sie erkannte. Für Weihnachten hatte sie für Freunde und Familie einen Schwung Küchenschürzen genäht. „Ich wusste: Alle haben Spaß am Kochen“, sagt Seggern. Es waren etwa zehn Stück, Seggern hatte die Namen der Beschenkten aufwendig aufgenäht und verziert. „Danach hatte ich erst einmal die Nase voll.“ Sie überlegte weiter, wie sie sich beruflich entwickeln und wieder mit Stoffen zu tun haben könnte. Erst dann fiel ihr auf, dass sie eine Marktlücke entdeckt hatte. „Es gibt unendlich viele Schürzen mit lustigen Sprüchen“, sagt Seggern. Doch keine, die aus ihrer Sicht wirklich modisch ernst zu nehmen sind.

Inzwischen hat Seggern eine Neuköllner Näherei beauftragt, ihre Schürzen zu fertigen. Wenn eine Bestellung für ein Modell hereinkommt, das gerade nicht auf Lager ist, setzt sie sich auch selbst noch an die Nähmaschine. Ansonsten überlegt sie sich neue Versionen, wie die mit dem Dampfer, an dem lauter Fische am Haken hängen. Der Schiffsschornstein ist eine Handytasche – „ganz wichtig“, sagt Seggern, schließlich ersetzt das Smartphone heute bei vielen das Kochbuch.

Insgesamt hat Andrea von Seggern etwa 40 Modelle gestaltet. Wenn heute bei ihr wieder der Wunsch nach etwas Neuem kommt, setzt sie sich einfach in ihre Nähstube und wird kreativ.Franziska Felber

Die Schürzen gibt es im Netz unter: www.guteingefaedelt.de

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