Berlin : Die Spreepark-Partei

Stefan Jacobs

Der vor zwei Wochen nach Peru verschwundene Norbert Witte (CDU) hat in seiner Rolle als Spreepark-Betreiber offenbar versucht, die lokale CDU zu seiner persönlichen Interessenvertretung umzufunktionieren. Nach Darstellung von Christdemokraten hat Witte, als sich 1999 die Fusion der Bezirksverbände von Treptow und Köpenick abzeichnete, massenhaft Mitglieder geworben, um den Treptowern eine Mehrheit im neuen Kreisverband - und damit auch in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) - zu verschaffen. "Wir Treptower machen jetzt feindliche Übernahme", und "ich will Leute, die meinen Park weiterbringen", zitiert ihn ein CDU-Mitglied, das ungenannt bleiben will. Spreepark-Mitarbeitern, die nicht eintreten wollten, sei mit Kündigung gedroht worden.

Stefan Taubitz, der als selbstständiger Unternehmer im Spreepark arbeitet, bestätigt Witte massive Werbung für die CDU. Erpressungsversuche seien ihm aber nicht bekannt: "Der hat nur allen die Anträge hingelegt und gesagt, dass er ihnen auch die Mitgliedsbeiträge bezahlt. Aber ich habe ihm erklärt, dass ich mit diesem Verein nichts zu tun haben will. Damit war das erledigt." Ähnlich äußert sich Armin Schulze, der in dem Vergnügungspark ein Restaurant betreibt: "Er hat bei jeder Gelegenheit dafür geworben, und die Mehrzahl der Schausteller ist dann wohl auch eingetreten. Aber von Drohungen weiß ich nichts."

Angeblich soll Witte über 100 Leute in die CDU geschleust haben. Der Kreisvorsitzende Klaus Sieber bestätigt zwar Wittes Ambitionen, hält die genannte Zahl aber für zu hoch gegriffen: "Norbert Witte und seine Söhne haben einmal 45 Aufnahmeanträge auf einen Schlag eingereicht. Die Mehrzahl der Kandidaten hat es aber nicht in unsere Mitgliederkartei geschafft." Wer außerhalb von Berlin wohnte und nicht regelmäßig im Spreepark arbeitete, sei aussortiert worden. "Aber wir haben das zugegebenermaßen nicht an die große Glocke gehängt", sagt Sieber. Zugleich bestreitet er den anonym geäußerten Vorwurf, der einstige Köpenicker Baustadtrat Oliver Scholz sei auf Betreiben mutmaßlicher Witte-Günstlinge aus dem Bezirksamt gekegelt worden. Der einzige Stadtratsposten war nach der Wahl an den Treptower Joachim Stahr gegangen. "Da dürfte eher die längere Erfahrung von Herrn Stahr eine Rolle gespielt haben", sagt Sieber.

Was immer auch Witte mit seiner Mitgliederwerbung genau bezweckte - es scheint ihm wenig genützt zu haben. Baustadtrat Dieter Schmitz ist ebenso in der SPD wie Bezirksbürgermeister Klaus Ulbricht. Und der versprach in der vergangenen Woche zwar Hilfe bei der Suche nach einem neuen Spreepark-Betreiber, will aber "an die Parkplatzfrage nicht anders herangehen als bisher". Witte hatte mehrfach eine Vergrößerung der Stellflächen gefordert. Der Bezirk hat das abgelehnt.

Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) bezweifelt, dass in dem Landschaftsschutzgebiet überhaupt ein Vergnügungspark wirtschaftlich betrieben werden kann. Außerdem hatte Sarrazin der Verwaltung Fehler im Umgang mit Wittes windigem Spreepark-Management bescheinigt.

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