Berlin : Die Spuren des Grauens

Eine Ausstellung des Museums für Vor- und Frühgeschichte zeigt Fundstücke aus der Kriegszeit

Helmut Caspar

Lange wurden archäologische Fundstücke, die kaum älter als 50 oder 100 Jahre sind, als wenig aussagestarke Dokumente angesehen, um die sich die Forschung kaum kümmerte. Dies änderte sich, je öfter Bodendenkmalpfleger auf ehemaligen Trümmergrundstücken oder bei der Anlage von Straßen und Versorgungsleitungen fündig wurden. Was dabei in den letzten 15 Jahren zutage trat, ist in einer Ausstellung des Museums für Vor- und Frühgeschichte im Langhansbau des Schlosses Charlottenburg zu sehen. Ihr Titel „Archäologie des Grauens“ weist zurück in die NS-Zeit und die Bombennächte des Zweiten Weltkriegs. Zu sehen sind unter anderem Überreste aus Stein und Metall, die in den Trümmern und Kellern der früheren SS- und Gestapo-Zentrale an der Wilhelmstraße zutage traten, also auf dem Gelände der heutigen Topographie des Terrors. Wie Ausstellungskurator Heino Neumayer erklärt, habe es 1988 einiger Anstrengungen bedurft, das so genannte PrinzAlbrecht-Gelände unter Denkmalschutz zu stellen. Alle Stücke sind stark restaurierungsbedürftig, einige werden so gezeigt, wie sie von den Archäologen gefunden wurden.

Das gilt auch für Funde aus dem so genannten Fahrerbunker auf dem Gelände der früheren Ministergärten unweit der Koch- und Wilhelmstraße. Einige der von der SS-Fahrbereitschaft zurückgelassenen Waffen, Essgeschirre, Uniformteile oder auch Schnapsflaschen werden jetzt als Dokumente für die Zustände in den letzten Kriegstagen präsentiert. Dazu kommen Fotos von Wandmalereien mit Darstellungen germanischer Heldenfiguren. Der Schutzraum nahe der alten Reichskanzlei wurde 1992 vermessen und dokumentiert, dann aber verschlossen.

Die Ausstellung zeigt ferner Relikte aus einem in Lichterfelde angelegten Außenlager des KZ Sachsenhausen. Zu den Fundstücken gehört eine verwitterte Lagerakte, die in der Staatsbibliothek restauriert wurde und Auskunft über bisher unbekannte Außenkommandos gibt. In einer anderen Vitrine liegen durch Feuer beschädigte und verformte Geschirre und Essbestecke, die bei Enttrümmerungsarbeiten im zugeschütteten Keller der traditionsreichen Sektkellerei Lutter & Wegener an der Ecke Charlotten-/Französische Straße entdeckt wurden.

Im Schlussteil setzt sich die Schau mit einem offenen Kapitel der Geschichte des Museums auseinander – den Verlusten durch Kriegszerstörung und Abtransport in die Sowjetunion.

„Archäologie des Grauens“, Langhansbau, Schloss Charlottenburg, bis 11. September, Dienstag bis Freitag 19 - 17 Uhr, am Wochenende 10 bis 17 Uhr.

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