Berlin : Die Suche nach den verlorenen Leben ist nicht zu Ende

Zwei alliierte Offiziere, die 1946 unzählige Akten über gefallene und vermisste deutsche Soldaten retteten, wurden jetzt geehrt

Tanja Buntrock

Die meisten Familien wollen wissen, wo der Ehemann, Vater oder Großvater im Krieg gefallen ist, ob er begraben wurde, und wenn ja, wo. Auch über 50 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sind viele Schicksale noch ungeklärt. „Die Menschen, gerade auch die Enkelgeneration, interessieren sich für ihre gefallenen Väter und Großväter“, sagt Peter Gerhardt, stellvertretender Amtsleiter der „Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht“, kurz Wehrmachts-Auskunftsstelle (WASt). In den Jahren 1999 bis 2001 habe man allein 1,7 Millionen „Bearbeitungsfälle“ gezählt. Doch die Suche wäre ohne den damaligen US-Offizier Henry Sternweiler und seinen französischen Kollegen Armand Klein nie fortgeführt worden. Sternweiler und Klein widersetzten sich den Befehle, die Unterlagen zu verbrennen. Aus Dankbarkeit dafür wurde jetzt ein Gedenkstein für Henry Sternweiler und Armand Klein in dem ehemaligen Fabrikgebäude am Eichborndamm in Reinickendorf, wo sich die Auskunftsstelle befindet, enthüllt. Zur Feier reiste der über 80 Jahre alte Henry Sternweiler aus Cleveland an. Armand Klein lebt nicht mehr.

Insgesamt 3500 Tonnen Akten- und Archivmaterial lagern in dem Archiv, 430 Mitarbeiter recherchieren und bearbeiten die Anträge. Gegründet wurde die WASt bereits am 26. August 1939, fünf Tage vor dem Überfall auf Polen. Verwundungen und Erkrankungen, Verstorbene und Vermisste wurden erfasst. Nach Zwischenstationen in Thüringen und Kassel ist die Vermisstenstelle 1946 wieder nach Berlin zurückverlegt worden. Der US-Offizier Sternweiler arbeitete dort als Leiter, 56 deutsche Angestellte kümmerten sich um die Schicksale Vermisster. Doch schon bald bekam Sternweiler den Befehl, die Unterlagen mit Benzin zu übergießen und zu verbrennen. „Die Amerikaner vermuteten, dass die Deutschen mit den Unterlagen eine Reorganisation der Wehrmacht planten“, sagt der stellvertretende Leiter der WASt, Peter Gerhardt. Doch Sternweiler tat sich mit Armand Klein zusammen, der die Vermisstenmeldungen von Elsass-Lothringen aus bearbeitete. Beide Offiziere konnten ihren Vorgesetzten deutlich machen, wie wichtig die Aufgabe der Vermisstenstelle war. „Sternweiler sah es als humanitäre Aufgabe an, die Menschen über den Verbleib ihrer Angehörigen aufzuklären“, sagt Gerhardt.

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