Berlin : Die türkischen Kinder und ihr Sprachproblem

Suzan Gülfirat

GAZETELER RÜCKBLICK

Jeden Montag im Tagesspiegel: ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Schulsenator Klaus Böger präsentierte vor kurzem die Ergebnisse der ersten Sprachstandsmessung („Bärenstark“) unter 27 000 Berliner Kindern, die im Sommer eingeschult worden waren. Demnach können 80 Prozent der nichtdeutschen und 30 Prozent der deutschen Kinder schlecht Deutsch. Die deutschen Medien werteten diese Ergebnisse als Katastrophe. Entsprechend groß war die Empörung. Doch wie reagierten die türkischen Zeitungen?

Ganz anders. Die Nachricht war eine von vielen, man musste lange nach diesen Zahlen suchen. Die Zeitungen reagierten zurückhaltend und dachten wohl eher positiv. „Ein Sprachförderungsprojekt“, titelte die Hürriyet in ihrer Berlin-Beilage, die jeden Mittwoch der Hauptausgabe beigefügt wird. Als seien diese Zahlen nichts Neues. Der Bericht von Bögers Pressekonferenz erschien nicht auf der Titelseite, sondern auf der zweiten Seite der Hauptstadt-Beilage. Auch andere türkische Zeitungen betonten in ihren Überschriften, dass die Senatsschulverwaltung mehr in die Sprachförderung der Kinder investieren will. Denn Schulsenator Klaus Böger stellte gleichzeitig ein Reformpaket für Kitas und Schulen vor, um die Sprachvermittlung zu fördern. Die Hürriyet listete genau auf, was darunter zu verstehen ist. Unter anderem sollen angehende Erzieher lernen, wie sie den Kindern bereits in den Kitas die deutsche Sprache beibringen können. Genau das haben türkischen Zeitungen, Vereine und Verbände all die Jahre gefordert. Und nun ist es eingetreten.

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