Berlin : Die Versuche finden zunächst nachts und ohne Fahrgäste statt

Klaus Kurpjuweit

Bei der BVG kann es in Zukunft ganz besondere Ausblicke im Tunnel geben: Fahrgäste haben freie Sicht nach vorne, wenn das seit Jahren verfolgte Projekt der fahrerlosen U-Bahn umgesetzt wird. Derzeit läuft dazu ein Forschungsprojekt. In den nächsten Wochen sollen die ersten Züge im automatischen Betrieb zwischen drei Stationen auf der U-Bahn-Linie U 5 getestet werden - mit Personal an Bord, aber ohne Fahrgäste. Wann die Computer-Bahn im Alltagsbetrieb eingesetzt werden könnte, steht nicht fest.

Technisches Neuland betritt die BVG damit nicht. Beim Rangieren ließ sie die Züge bereits ohne Fahrer hin- und herfahren, und vor Jahren führte sie den automatischen Betrieb auf den Linien U 4 und U 9 ein. Seither fahren die Züge programmgesteuert; Fahrer sitzen nur noch im Führerstand, um bei Gefahr eingreifen zu können. Ohne Personal dürfen die Züge nämlich nur fahren, wenn die Bahnsteige so gesichert sind, dass Menschen nicht gefährdet werden.

In Paris hat das dortige Verkehrsunternehmen RATP auf der im vergangenen Oktober eröffneten U-Bahn-Linie 14 den Gleisbereich durch Glaswände auf dem Bahnsteig gesichert. Die Bahnen halten vollautomatisch gesteuert so, dass sich die Türen in der Wand exakt gegenüber den Fahrzeugtüren befinden. Beide öffnen und schließen sich gleichzeitig.

Ein ähnliches System gab es in Berlin bereits bei der von AEG entwickelten Magnetbahn, die zwischen Gleisdreieck und Kemperplatz schwebte - automatisch und ohne Fahrer. Der größte Unfall, bei dem eine Bahn die Wand des Endbahnhofes Kemperplatz bei der Philharmonie durchbrach, passierte, als die Bahn in der Zentrale von Hand gesteuert wurde. Die M-Bahn musste abgebaut werden, als nach dem Mauerfall auf ihrer Trasse wieder die U-Bahn-Linie U 2 aufgebaut wurde.

Glaswände auf dem Bahnsteig sind jedoch sehr teuer. Die BVG testet deshalb andere Systeme. Der Gleisbereich könnte auch durch Lichtschranken überwacht werden. Liegt ein Mensch auf dem Gleis, wird die Bahn gestoppt. Erste Ergebnisse ihres Versuches will die BVG im Februar präsentieren, wenn sich in Berlin ein Kongress mit dem fahrerlosen Betrieb beschäftigt. Erprobungen finden parallel dazu auch in Nürnberg bei der U-Bahn und in Frankfurt (Main) bei der Stadtbahn statt. Die BVG testet nachts zwischen den Stationen Friedrichsfelde und Biesdorf-Süd. Adtranz und Siemens haben dafür je einen Zug umgerüstet. Die neuen Züge der Baureihe H, die derzeit ausgeliefert werden, sind bereits für den fahrerlosen Betrieb konzipiert. Der Führerstand kann problemlos entfernt werden, wenn das System eingeführt werden sollte.

In Paris habe es damit bisher keine Probleme gegeben, sagte Serge Guibereau von der RATP. Die vorderen Plätze mit der freien Sicht auf den Tunnel seien bei den Fahrgästen vielmehr sehr begehrt. Nach und nach will man die gesamte Metro auf den fahrerlosen Betrieb umstellen.

Die BVG will nach einer Einführung die Fahrerstellen in den Sicherheits- und Servicebereich verlagern. Davon habe ein Kunde mehr, als von einem Mitarbeiter, der in einem abgeschlossenen Raum im Zug sitze, heißt es bei der BVG.

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