Berlin : Die Vorarbeiter

Morgen öffnet Berlins größte Arena O2-World. Wer arbeitet hinter den Kulissen? Wer kümmert sich um Sound, Technik, Küche? Wir stellen fünf von tausend vor

André Görke,Matthias Jekosch

Ohne sie läuft nichts in Berlins brandneuer Arena, der O2-World, die am morgigen Mittwoch eröffnet wird: 1000 Mitarbeiter kümmern sich um heiße Bratwürste, eine glatte Eisfläche und friedliche Fans. 5000 Menschen hatten sich für die Jobs beworben. Wir stellen fünf von ihnen vor.

DER EISMANN

Der Sound? Die Show? Das Essen? Alles egal, Lars Radzymski, 25, interessiert sich vor allem für eines: dass die Kufen der Eisbären-Spieler reibungslos über die Eisfläche gleiten. Und dafür braucht es minus sieben Grad, die optimale Temperatur für ein Eishockeyspiel, erklärt der Eismeister der Arena. „Mein Part beginnt im Moment, in dem die Abdeckung runter ist“, sagt er und deutet auf die Kantholzplatten mit Kautschukschicht, die über dem Eis liegen. 35 Millimeter ist die Eisschicht dick. „Sie muss vor jedem Spiel aufbereitet werden. Eine zarte Schicht muss ich abhobeln und eine dünne Wasserschicht draufgeben.“ Dazu setzt er sich auf seine Maschine und fährt über das Eis. Zu seinem Beruf gab es für ihn praktisch keine Alternative. „Ich bin auf Berliner Eisbahnen aufgewachsen.“ Sein Vater war der Eismeister im Eisstadion Wilmersdorf.



DER UMBAUCHEF

Marcel Fiebig, 33, ist der Leiter für den technischen Umbau. Eine Veranstaltung ist vorbei – er koordiniert den Abbau. Die nächste Veranstaltung steht an – er koordiniert den Aufbau. An einem Tag kann eine Veranstaltung auf die nächste folgen. Allein das Aufstellen der Tribünen für die Alba-Spiele dauert derzeit sieben Stunden, später einmal sollen es nur zwei sein. Bis zu 100 Arbeiter müssen jedesmal ran. Fiebig, schwarze Mütze, über der blauen Jeans ein lässiges schwarzes Hemd, Tattoo auf dem Oberarm, ist ein Koordinationsprofi. Der gebürtige Berliner lebte zuletzt für zehn Jahre in Hamburg und hat dort unter anderem Festivals organisiert. Er deutet auf das Rund der blauen Sitze und sagt: „Derzeit wohne ich hier.“

DER UNTERHALTER

Jens Kelch ist sonst für die Technik auf den Aida-Schiffen zuständig, jetzt eben für die neue Arena am Ostbahnhof. Er kümmert sich um optische Informationen. Sein Bereich: der achtseitige Videowürfel in der Hallenmitte, insgesamt 250 Monitore im gesamten Gebäude, drei Leinwände außen sowie die große LED-Außenfassade der Arena – alles gesteuert über 30 Computer. Er und sein Team sorgen dafür, dass die Besucher Zeitlupen zu sehen bekommen. Sie bringen Beiträge rund um die Veranstaltungen auf die Monitore. Und sie schicken Werbebotschaften über die Außentafeln. Auf 120 mal zwölf Metern sind 300 000 LED-Lichtpunkte angebracht. Weil die einen ziemlich großen Abstand haben, wirken die Videos und Bilder von Weitem am besten. Stressig wird der Job während der Eisbären- und Alba-Spiele. Die Leute aus Kelchs Team steuern die Kameras unter dem Videowürfel, drehen mit Handkameras Szenen abseits des Spielfeldes, schneiden und mischen Bild- und Tonmaterial – bis zu zwölf Mann.

DER HALLENCHEF

Er erfüllt auch außergewöhnliche Wünsche. „Es kommt vor, dass ein Künstler einen unbenutzten Klodeckel haben will. Dann wird der auch besorgt.“ Eckhard Fuß ist der Technische Direktor der Halle. Während einer Veranstaltung ist er nicht nur für die Sicherheit von bis zu 17 000 Menschen verantwortlich. Er ist auch Chef der mehr als 200 Mitarbeiter. Eine ruhige Hand ist Voraussetzung, um den Job gut zu machen. Eckhard Fuß ist Westfale, die gelten ohnehin nicht als Hektiker. Technischer Leiter war er bereits in der Max-Schmeling-Halle, im Velodrom und im Tempodrom. Und er kennt das Temperament der Besucher: „Der Berliner kann sich nicht in eine Reihe stellen. Der drängelt.“ Also müssen Absperrgitter vor den Eingang der O2-Arena. In London sei das anders. Da reichten Bänder aus.

DER KÜCHENCHEF

Die erste Station war eher unspektakulär: Gelernt hat Markus Herbicht, 39, im Bahnhofsrestaurant Saarbrücken. Dann ging es ordentlich bergauf: Koch im Hilton Mainz, in Luxushotels in Thailand, großen Häusern in der Bundesrepublik, zuletzt im Westin Grand in Berlin. Jetzt koordiniert er für „Borchardt Catering“ neben dem Café am Neuen See, dem Pan Asia oder auch der Modemesse Bread & Butter die Arena am Ostbahnhof. Unterstützt wird er von Geschäftsführer Nicolae Orban, 42, der zuvor Servicechef im Riesenhotel Estrel war. Küchendirektor Herbicht hat lobenswerte Grundsätze, sein Credo lautet: „Das Essen muss frisch sein“ – und nicht nur für VIPs. Deshalb gibt es in der Halle zum Beispiel keine Pommes, die zuvor eingefroren waren. Für den Eröffnungsabend mit 1000 geladenen Gästen hat er sich mächtig ins Zeug gelegt: In den Kühlräumen lagern Kalbsbacken („60 Kilo, frisch mariniert“), es wird Thai-Curry mit Poulardenbrust und Ananas geben, Pasta mit Meeresfrüchten, Wildwasserlachs, Blaubeertiramisu und mehr. Und im künftigen Hallenalltag? Die Bratwurst kommt von einem Metzger vom Lande, das Bier wird Idealtemperatur haben: vier Grad Celsius. Noch so ein Grundsatz. Ein wichtiger.

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