Berlin : Die W-Frage

Pro & Contra: Sollen Eltern ihren Kindern die Wahrheit über den Weihnachtsmann sagen?

Tanja Buntrock

Den Weihnachtsmann gibt es nicht, das weiß doch jedes Kind! Oder? Die kleine Sophie wird in der Schule ausgelacht, weil sie an den Weihnachtsmann glaubt. Zu Hause findet sie Trost bei ihrem Stoffhasen Felix. Die Kindergeschichte „Weihnachtsbriefe von Felix“ von Annette Langens lebt von einer netten Idee: Um zu beweisen, dass es den Weihnachtsmann gibt, schreibt ihm Felix und besucht ihn sogar.

„Wir pflegen diesen Mythos so lange, bis unsere Tochter von alleine nicht mehr daran glaubt“, sagt die Mutter einer sechsjährigen Tochter und eines 15-jährigen Sohnes. Die beschriebene Weihnachtsgeschichte von Felix dem Hasen habe erheblich dazu beigetragen, dass ihre Tochter „und auch alle Freunde aus der Umgebung und der Klasse“ noch an den Weihnachtsmann glauben. „Meine Tochter hinterfragt auch gar nicht, ob es den Weihnachtsmann wirklich gibt“, sagt die Mutter. Den Mythos vom „rätselhaften alten Mann, der die Wünsche der Kinder“ errät, wolle die Familie auch so lange aufrecht erhalten, wie es nur möglich ist. „Das genau ist doch der Reiz daran. Das bekommt man nie wieder. Außerdem macht es das Fest schön.“

Bei der Weihnachtsfeier der Johann-Georg-Elser-Schule in Neukölln hat der Weihnachtsmann kürzlich erst Geschenke an die Kita- und Schulkinder verteilt. „Die Kleinen haben ihm zum Abschied ,Tschüss‘ hinterher gerufen, aber nicht weiter gefragt, ob er echt ist oder woher er kommt“, sagt ein Erzieher. Seine Erfahrung ist, dass die Kinder sich gar nicht so viele Gedanken darüber machten. „Wir sagen natürlich nicht, dass der Weihnachtsmann eine Erfindung ist“, sagt der Erzieher. Aber wenn die Schulkinder nachfragen, woher er denn kommt und ob er denn echt ist, „dann antworten wir mit einem Augenzwinkern, dass er vom Nordpol kommt und wir mit ihm telefoniert haben.“ Die Kinder würden dann schon von sich aus merken, dass „das Ganze nicht so ernst gemeint ist“.

Das sieht ein Kreuzberger Ehepaar genauso. Die fünfjährige Tochter Martha „glaubt natürlich noch an den Weihnachtsmann“, sagen sie. „Wir haben ihr das irgendwann so erzählt, seither stellt sie das auch nicht in Frage.“ Irgendwann, sind sich die Eltern sicher, komme das Kind von ganz alleine dahinter. „Dann ist das eben kein Thema mehr.“ Beim älteren Sohn habe sich der Weihnachtsmann (ein verkleideter Student, von den Eltern fürs Fest gemietet) selbst verraten. „Ein Weihnachtsmann in Turnschuhen?“, habe der Junge erstaunt gefragt. Danach hatte es sich erstmal mit dem Mythos.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar