DIE WEINE DES MONATS : DIE WEINE DES MONATS

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Bianco di Custoza Montresor (l.) und Riesling von Rebholz. Fotos: Kleist-Heinrich
Bianco di Custoza Montresor (l.) und Riesling von Rebholz. Fotos: Kleist-Heinrich

VENETIEN

Frischer Weißer vom Gardasee – mit Satellitenkontrolle

Der Bianco di Custoza, erzeugt auf den Hängen am Südrand des Gardasees, war lange ein Massenphänomen, ein blasser Weißwein, der dazu verdammt schien, als billiger „Vino della Casa“ in Millionen von Pizzerias verklappt zu werden. Dabei hat dieser meist aus den traditionellen Sorten Garganega, Trebbiano toscano und Cortese (hier: Bianca Fernanda) zusammengesetzte Wein eine uralte Tradition – und er kann auf den besten Böden seiner Region durchaus charaktervoll mineralisch ausfallen. Wie gut dies auch unter modernen Vorzeichen gelingen kann, zeigt einer der größten Erzeuger der Gegend: Giacomo Montresor. Der Familienbetrieb, der im 19.Jahrhundert vom Urgroßvater des heutigen Besitzers gegründet wurde, füllt aus einer Rebfläche von gut 150 Hektar jährlich 3,5 Millionen Flaschen verschiedenster Sorten ab und setzt dabei futuristische Methoden wie die Reifegradüberwachung der Trauben per Satellit ein. Dass das Ergebnis keineswegs technisch steril ausfällt, zeigt unser 2009 Bianco di Custoza Vedetta del Re, der aus den schon erwähnten Reben nebst Chardonnay besteht. Er kommt aus den überwiegend nach Süden ausgerichteten Hügellagen im Gebiet von Castelnuovo und bietet ein Spektrum typischer Aromen von Kräutern und grünen Äpfeln, viel frische Säure und ausgeprägte Mineralität –- Ehrenrettung für eine unterschätzte Herkunft. Die Flasche kostet 7,95 Euro bei La Vendemmia in der Akazienstraße 20 in Schöneberg.

PFALZ

Riesling-Klassiker allerbester Herkunft

Hansjörg Rebholz gehört fraglos zu den Top Ten der deutschen Weinerzeuger. Man kann in der Pfalz andere Weine machen als der „Winzer des Jahres 2002“, bessere sicher nicht. Der Stil des Hauses hat sich immer an der Tradition orientiert: Rebholz plädierte schon für kompromisslos trockene Weine, als die süße Welle alles in Deutschland überflutete, und sein Beharren auf einem verhaltenen Ausbaustil, der die Weine in der Jugend manchmal kantig und spröde wirken lässt, hat ihm nicht nur Freunde gemacht. Dennoch produziert er nicht nur „Große Gewächse“ aus genau definierten Einzellagen für lange Lagerung, sondern auch „kleinere“ Weine, die von Anfang großen Trinkspaß bereiten. Wie viele seiner Kollegen hat er sich für diese Abfüllungen vom Lagendenken gelöst und orientiert sich an den Bodenstrukturen der Weinberge, trennt vor allem zwischen Buntsandstein, Muschelkalk und Rotliegendem und kann die jeweiligen Eigenheiten prägnant herausarbeiten. Der 2009 Riesling vom Buntsandstein vom Weingut Ökonomierat Rebholz hat also erwartungsgemäß einen besonders blumig-fruchtigen Charakter, duftet nach Pfirsichen, grünen Äpfeln und reifen Zitronen. Auch am Gaumen dominieren diese Aromen, gestützt von einer quicklebendigen Säurestruktur und langem Nachhall – im Ergebnis ein besonders eleganter Pfälzer Riesling, der es nicht nötig hat, mit viel Alkohol aufzutrumpfen. Die Flasche kostet 12 Euro bei Nix wie Wein in der Kopenhagener Straße 6 in Prenzlauer Berg. Bernd Matthies

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