Berlin : DIE WEINE DES MONATS

Bernd Matthies

BERLIN/BORDEAUX

Die Wiederkehr des

traditionellen Rotspons

Die Hansezeit brachte eine Hochblüte des Transports per Schiff. Das bekam dem Bordeaux-Wein gut: Er entwickelte sich während der Reise im Fass rasch und erhielt, im deutschen Norden in Flaschen abgefüllt, einen klingenden Namen: „Rotspon“ vom „roten Span“, dem Holz der Fässer, die die Farbe des Weins annahmen. Dieser Name wurde in Lübeck und Hamburg Jahrhunderte später wieder belebt, aber nicht in Berlin, obwohl Bordeaux-Wein hier ebenfalls schon im Mittelalter beliebt war. Der Berliner Weinhändler Ralf Kuhlow greift diese Tradition nun mit einem Roten auf, der zwar vom Erzeuger abgefüllt wird, aber zumindest durch seinen Namen an die Weingeschichte erinnert: 2006 Berliner Rotspon. Kuhlow wählte auf dem Weingut Chai de Bordes nahe der Stadt Bordeaux die Grundweine aus, aus denen dann diese runde Cuvée aus 80 Prozent Merlot und 20 Prozent Cabernet Sauvignon zusammengestellt wurde: ein eleganter, konzentrierter und typischer Wein mit viel Potenzial, der nach vollreifen dunklen Beerenfrüchten, Lakritz und ein wenig Vanille duftet und die Eigenheiten des Jahrgangs subtil widerspiegelt. Die Flasche kostet 9,90 Euro bei Slow, Prenzlauer Allee 205 in Prenzlauer Berg, und bei Hardy, Thielallee 29 in Zehlendorf.

CRÉMANT D’ALSACE

Lebendige Perlen

aus einer fast vergessenen Region

Elsässer Weine sind in den letzten Jahren im deutschen Handel unverdient in den Schatten geraten. Das trifft auch den nach Champagner-Methode bereiteten Crémant, der in den achtziger Jahren eine Hochblüte erlebte. Andreas Schiechel von „Vinum“ hat dem Elsässer Winzer René Muré die Treue gehalten, und er kann nun als einer der wenigen Berliner Händler zeigen, welch einzigartige Qualitäten dort erzeugt werden. Der Crémant d’Alsace Cuvée Prestige von Muré aus verschiedenen Jahrgängen bezieht seine Komplexität aus Grundweinen verschiedener Jahrgänge, Pinot Noir, Pinot Blanc, Pinot Auxerrois und Pinot Gris, abgerundet durch einen Tick Riesling: Füllig, lebendig, feinperlig, frisch, mit einem Bukett von Birne, Aprikose, Äpfeln, Exoten. Die Flasche kostet 14,50 Euro bei Vinum in der Danckelmannstraße 29 in Charlottenburg.

WEINMESSE SCHÖNEBERG

Grenzenlos verkosten

im Rathaus

Das zweite Januarwochenende ist traditionell der Termin für die Weinmesse im Rathaus Schöneberg. Zwar war die Zahl der großen Namen unter den Ausstellern in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen, doch hier kündigt sich eine Wende an: Die Mehrheit der profilierten Weinhändler des „Weinbunds Berlin“ hat sich wieder zur Teilnahme entschlossen und setzt damit ein paar qualitative Glanzlichter im Programm, das daneben mit den bekannten Schwerpunkten aufwartet. Viele deutsche Familienweingüter und Genossenschaften zeigen ihre aktuellen Jahrgänge, Spanien und Österreich sind stark vertreten, aber auch eher entlegene Weine wie aus Georgien können in großer Zahl probiert werden. Und unsere beiden Weine des Monats stehen ebenfalls zur Verkostung bereit. (Freitag, 9., bis Sonntag, 11. Januar, Rathaus Schöneberg, jeweils 14 bis 21 Uhr, Eintritt 12 Euro.) Bernd Matthies

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