Berlin : Die Westsendung der PDS: Petra Pau

Barbara Junge

Ihr Heimsieg scheint eine ausgemachte Sache. Petra Pau, die junge Rothaarige, die bis vor kurzem den Berliner Landesverband der PDS angeführt hat, hätten viele Hellersdorfer sogar gerne als PDS-Bundesvorsitzende gesehen. Einen engagierten Wahlkampf muss die designierte Kandidatin in Hellersdorf deshalb nicht auf die Beine stellen. Das Bundestagsmandat im Herbst scheint auch so gewiss. "Ja, der Wahlkreis ist leichter zu gewinnen als andere", ziert sich Pau, "aber gesichert ist er nicht".

Außerhalb der roten Hochburg Hellersdorf sieht das schon anders aus. Die PDS drängt in den Westen der Republik. Doch was die Partei im Westen als eigene Basis vorfindet, scheint den Genossen aus dem Osten immer weniger zu gefallen. Tatkräftige Hilfe aus Berlin tut Not. Und Petra Pau ist jetzt eine von vieren, die im bevorstehenden Bundestagswahlkampf die westlichen Bundesländer für den Sozialismus gewinnen sollen. Den sicheren Wahlkreis in der Haupstadt gibt es obendrauf.

Ohne Mühe in den Bundestag

Die Berliner PDS hat sich auf den Halbjahresplan der Parteiführung eingestellt; die Besetzung der Wahlkreise wird neu aufgeteilt. Pau muss wieder in den Bundestag - und das ohne viel Mühe. Denn sie soll im Auftrag der Partei die Republik bereisen. Mühseliger wäre es indes, einmal mehr in Berlins Mitte für das Parlament zu kandidieren. Schon 1998, als die damalige Landesvorsitzende noch gegen den Willen der PDS-Nomenklatura die Mitte für sich erobern konnte, gewann sie nur knapp vor dem Inbegriff der Ost-SPD, Wolfgang Thierse.

Bei der Wahl im Herbst setzt sich der Mitte-Wahlkreis zudem neu zusammen - mit den Westbezirken Tiergarten und Wedding. Auch wenn die PDS sich Chancen ausrechnet (Stefan Liebich: "Wir wollen alle fünf Direktmandate holen") - gesetzt zu sein, ist etwas anderes. So kandidiert jetzt Liebich, bislang Abgeordneter im Berliner Parlament, in der unsicheren Mitte. Petra Pau tritt in Marzahn-Hellersdorf an. Und Gregor Gysi, bislang Wahlkreiskönig von Hellersdorf, hat bereits seinen Sessel in der Senatswirtschaftsverwaltung eingenommen.

Die PDS hofft auf frustrierte Grünen-Wähler und auf ein paar Rot-Grün-enttäuschte Sozialdemokraten. Als Friedenspartei, als Partei der sozialen Gerechtigkeit und als Vertreterin des Ostens - so wollen sich die Sozialisten präsentieren.

Doch da gibt es noch ein paar Probleme. "Wir müssen die kulturellen und ideologischen Barrieren abbauen", weiß der Sprecher der Bundespartei, Hendrik Thalheim. Dafür wolle die PDS sowohl eine Basis vor Ort aufbauen, als auch bei möglichst vielen Kommunalwahlen antreten. Die PDS dürfe nicht nur ein rotes Schreckgespenst aus dem fernen Osten bleiben, sondern müsse vor Ort, bei den westdeutschen Wählern Gesicht zeigen. "Und das können doch nicht nur die Alten sein", ereifert sich Thalheim, "die erst für den Kommunistischen Bund auf der Straße waren, dann für die DKP und jetzt für die PDS". Eine deutliche Absage an die eigene Basis im Westen.

Gemeinsam mit der Bundesvorsitzenden Gabi Zimmer, Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch und Fraktionschef Roland Claus tingelt Pau deshalb im nächsten halben Jahr zu Gewerkschaftsaktionen in Bayern, lokalen PDS-Veranstaltungen im Saarland, und Friedensforen in Hessen.

Pau kommt dabei eine besondere Rolle zu. Ihre Aufgabe wird es sein, der PDS als Partei der Bürgerrechte ein Gesicht zu geben. Eine heikle Aufgabe - besonders nach dem 11. September. Eine heikle Aufgabe - besonders innerhalb der PDS. Bereits unter Paus Ägide als Landesvorsitzende machte ihr Landesverband den Versuch, die traditionellen Sicherheitsvorstellungen alter SED-Prägung mit den Ansprüchen an eine moderne Bürgerrechtspartei zu versöhnen. Ein Balanceakt, bei dem im Ost-West-Verband Berlin inzwischen der moderne Flügel eindeutig gewonnen hat.

Die Grünen beerben

Nach dem 11. September sucht Pau auch ihre innenpolitische Rolle im Bundestag. Noch hat sie sie nicht gefunden. Dafür hat die Bundestagsfraktion eigentlich auch eine innenpolitische Sprecherin. Ulla Jelpke aus Nordrhein-Westfalen. Eine Expertin für den Rechtsextremismus und für die Bürgerrechte. Doch spätestens nach den Terroranschlägen in den USA wünscht die Partei eine andere Außenwirkung. Denn Jelpke gehört den westdeutschen Linken, die von der eigenen Partei nicht hofiert werden. Jelpke nennt den Krieg in Afghanistan einen Angriffskrieg, Jelpke fordert die Auflösung der Geheimdienste und sie mahnt auch den Osten zum Kampf gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Sie ist keine Politikerin der vorsichtigen Worte, sondern eine Vertreterin der klassischen westdeutschen Linken, die um ihren Wiedereinzug in den Bundestag wird kämpfen müssen.

Pau - nicht Jelpke - soll es nun sein, die die Grünen in der Frage der inneren Sicherheit beerbt. Die Grünen, als traditionelle Hüter bundesdeutscher Bürgerrechte, werden möglicherweise ihren profiliertesten Vertreter auf dem Gebiet, den Rechtsanwalt Hans-Christian Ströbele nicht wieder ins Parlament entsenden. Und Bundesinnenminister Otto Schily hat es den Grünen nicht leicht gemacht, auf dem Feld der inneren Sicherheit zu gewinnen. Hier sieht die PDS ihre Aufgabe.

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